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title: Medienprägung
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date: '2026-10-21'
description: 'Wie die Medien mein Umweltbewusstsein als Kind geprägt haben Dass mich die rücksichtslose und sinnlose Verschmutzung der Umwelt mit Abgasen schon als Kind so beschäftigt hat, muss auch viel damit zu tun gehabt haben, wie das Thema in den Medien präsentiert wurde. Fernsehsendungen und Zeitschriften …'
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    - oct_2026
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    - '2026'
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# Medienprägung

[ Start ](https://www.abgase.org/home/de)     [ Info ](https://www.abgase.org/home/de/about)      Medienprägung    

## Wie die Medien mein Umweltbewusstsein als Kind geprägt haben

**Dass mich die rücksichtslose und sinnlose Verschmutzung der Umwelt mit Abgasen schon als Kind so beschäftigt hat, muss auch viel damit zu tun gehabt haben, wie das Thema in den Medien präsentiert wurde. Fernsehsendungen und Zeitschriften für Kinder haben Umweltthemen manchmal direkt angesprochen, um uns ein Bewusstsein dafür anzuerziehen. Oft kamen Abgase aber auch einfach nur beiläufig vor, ohne dass die Umweltverschmutzung angesprochen wurde, etwa bei der Vorstellung eines Motorsports.**

Diese Darstellungen, wo Umweltverschmutzung zwar deutlich sichtbar war, aber nicht einmal erwähnt wurde, haben mich ganz besonders entsetzt. Sie zeigten mir, wie wenig die meisten Menschen die Umwelt kümmerte, solange es ihnen bequem war und sie Spaß hatten. Bei einem Motocross-Rennen konnte ich meinen Blick nicht von den vielen Auspuffwolken lösen und dachte ständig daran, welchen Schaden diese so sinnlos ausgestoßenen, giftigen Abgase anrichteten. Den Motorsportlern selbst schien der Qualm aber nicht einmal aufzufallen, während sie sich auf ihren Fahrspaß oder das Rennen konzentrierten.

Manche Berichte waren eigentliche, an die Jugend gerichtete Werbekampagnen für den Motorsport. Sie zeigten, wie cool es ist, dass bei Motocross oder Karting bereits Kinder und Jugendliche mitfahren durften. Ein typisches Bild zeigte vielleicht ein Dutzend Kinder in aufgereihten Go-Karts. An deren Seite ragt schamlos ein Dutzend Auspuffrohre hervor, für jeden dieser jungen Menschen eines. Kleine Kanonenrohre, um giftige Abgase in die Umwelt zu ballern. Ich fand den Anblick absolut entsetzlich und skandalös. Die Autoren und Fotografen sahen darin aber scheinbar nichts Verwerfliches und auch nichts, das ihren Lesern besonders auffallen oder sie stören könnte. Beim Gedanken daran, wie viele Liter Benzin sie bei ihrem Sport sinnlos verbrannten, dabei offensichtlich keine Skrupel hatten und von den Erwachsenen sogar noch dazu ermutigt wurden, wurde ich traurig und wütend. In den Berichten fand man aber nie, dass die Umweltbelastung dieser Sportarten auch nur eine beiläufige Erwähnung wert wäre. Höchstens beschrieb man den Gestank von Benzin und Abgasen, um die aufregende Rennatmosphäre zu beschreiben.

## Beiträge, die mich besonders stark beeinflusst haben

Die belehrenden Umweltschutz-Beiträge haben mir ein Gefühl dafür gegeben, wie schlimm die Umweltverschmutzung bereits war und wie unaufhaltsam sie weiter ging. Bestimmt haben sie dazu beigetragen, dass mich das Thema Umwelt nicht in Ruhe ließ. Die vielen Beiträge aber, in welchen die Umweltverschmutzung nur zufällig sichtbar war und somit als etwas ganz Normales und nicht Erwähnenswertes dargestellt wurde, haben mich tief erschüttert. Dieser Widerspruch liess mein Interesse an Umweltthemen zu einer eigentlichen Besessenheit werden. Wenn wir auf der einen Seite doch wussten, wie wichtig der Umweltschutz war, wie konnte es dann sein, dass auf der anderen Seite so viele Menschen nicht einmal für Sport und Vergnügen auf Benzinmotoren verzichten wollten?

Viele der Sendungen, Beiträge und Artikel, die ich besonders ergreifend fand, habe ich aufbewahrt. Auf dieser Seite zeige ich davon einige Ausschnitte. Es sind Bilder, Ansichten und Aussagen, die mich in jungen Jahren besonders erschüttert und geprägt haben. Sie sind sicher eine wesentliche Erklärung dafür, warum mich gewisse Dinge bis heute so faszinieren.

#### Inhaltsverzeichnis

- [Ca. 1992: Waldrodung und Autoabgase – Der kleine Maulwurf](#ca-1992-waldrodung-und-au)
- [Ca. 1992: Kaputte Autos – Die Straße der Tausend Gesichter](#ca-1992-kaputte-autos-die)
- [1993: Einfach abgesägt – Die Zerstörung des Regenwaldes](#1993-einfach-abgesaegt-di)
- [Ca. 1993: Abgase im Wald und im Wasser – Trials-Meisterschaft](#ca-1993-abgase-im-wald-un)
- [Juni 1997: Qualmende Auspuffe – Motocross im Kinderfernsehen](#juni-1997-qualmende-auspu)
- [November 2000: Benzinverschwendung für alle – Propaganda für Motocross](#november-2000-benzinversc)
- [September 2001: Abgas als Teil der Atmosphäre – Kartsport in der Jugendzeitschrift](#september-2001-abgas-als-)

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### Ca. 1992: Waldrodung und Autoabgase – Der kleine Maulwurf

Dieses Abenteuer der tschechischen Zeichentrickfigur des kleinen Maulwurfs war möglicherweise mein allererster Berührungspunkt mit dem Thema Umweltzerstörung. Eine Aufnahme der Folge "Der Maulwurf kommt in die Stadt" hatten wir zuhause auf VHS-Kassette, sodass ich sie mir anschauen konnte, so oft ich wollte. Was für ein Zufall! Denn au­ßer einer kurzen Waldrodungs-Szene in der Kurzfolge "Der Maulwurf und der Bulldozer" scheint es die einzige Folge der Serie zu sein, die das Thema Umwelt direkt behandelte.

Der kleine Maulwurf und seine Tierfreunde leben friedlich in einem paradiesischen Wald, bis sie durch den immer näher kommenden Lärm von Motorsägen in Schrecken versetzt werden. Sie können sich gerade noch in Sicherheit bringen während mit unerbittlicher Effizienz, einer nach dem anderen, alle Bäume ihres Zuhauses gefällt werden. Als sie sich wieder aus ihrem Unterschlupf trauen, stellen sie fest, dass von ihrem Wald nur ein endloses Feld aus Baumstümpfen übrig geblieben ist, und fangen an zu weinen. Dann fahren die Bulldozer auf, um auch noch die Baumstümpfe zu entfernen. Dann wird um die Tiere herum eine Großstadt aus dem Boden gestampft.

Die Tiere treffen immer wieder auf verständnisvolle Menschen; Beamte und Amtsträger, die sicherstellen, dass ihnen der einzelne, verbliebene Baumstumpf erhalten bleibt und ihnen später ein ganzes "Naturzimmer" als neues Zuhause einrichten. Doch die Tiere müssen feststellen, dass Bäume und Maulwurfhügel aus Gummi nicht wirklich ein gleichwertiger Ersatz sind und beginnen, ihre Abreise zu planen.

Im restlichen Verlauf der Folge erleben sie einige Abenteuer in der Stadt und versuchen, einige Reste von Natur zu finden. Später stehen sie am Straßenrand als einige Autos neben ihnen zum stehen kommen. Die Auspuffe blasen graue Abgaswolken in Richtung der Tiere, die fürchterlich zu husten anfangen. Ihre Versuche, die Auspuffrohre einfach zuzustopfen, halten nicht lange. Die Stadt versinkt in einem üblen Smog, aus dem die Tiere schlussendlich, auf den Rücken vorbeiziehender Schwäne fliegend, entkommen.

Es ist bemerkenswert, wie viele der Themen die mich schon früh so betrübt und auf eigenartige Weise auch in ihren Bann gezogen haben, bereits in diesem Zeichentrickfilm vorkommen. Den Einfluss, den er auf die Entwicklung meiner Interessen und zwiespältigen Gefühle hatte, kann ich wohl gar nicht überschätzen. Der unheilbringende Lärm von Benzin-Kettensägen in der Ferne (1:42); der entsetzliche Anblick, wenn am Horizont die Baumkronen schwanken und fallen (2:24); die Unerbittlichkeit wenn nicht nur einzelne Bäume, sondern ein ganzer Wald restlos abgeholzt wird; die Brutalität der Sägekette, die sich durch den gerade noch lebendigen Stamm eines gesunden Baumes frisst (2:40); der traurige Anblick am Boden liegender, umgesägter Bäume und toter Baumstümpfe (2:45); die Dieselabgase der Baumaschinen, welche die bereits zerstörte Natur noch zusätzlich vergiften (2:56); Auto- und Motorradfahrer, welche die Atemluft ihrer Mitmenschen gedankenlos mit Abgasen vergiften (23:55); das Versinken der ganzen Umgebung in einem stinkenden, krankmachenden Qualm (26:50). Es scheint fast, als könnten sich alle meine späteren, widerspruchsvollen Fimmel aus diesen ursprünglichen Darstellungen entwickelt haben.

Wenn ich mir die Folge heute wieder ansehe, erstaunt mich, wie trostlos die Erzählung ist, besonders für eine Kindersendung. Die Zerstörung des Waldes der Tiere ist schnell, unaufhaltsam und restlos. Gegen die Umweltverschmutzung durch die Menschen ist nichts auszurichten. Die verstopften Auspuffrohre sind schon bald wieder befreit. Kurze Zeit später blasen wieder Hunderte von Autos ihre dreckigen Abgase in die Luft und hüllen alles in eine trübe, stinkige, giftige Dunstglocke. Es gibt auch kein wirkliches Happy End. Die Tiere fliegen zwar davon, vermutlich in ein Stück intakte Natur. Die Umweltzerstörung bleibt aber unbewältigt, ungestraft und unaufhaltbar. Keiner der Menschen sah ein Problem darin, musste dafür Verantwortung übernehmen, oder zeigte auch nur ein schlechtes Gewissen. Die Folgerung ist wohl, dass die Zerstörung der Wälder und die Verschmutzung der Luft immer weitergehen und sich über die Erde ausbreiten wird und niemand etwas dagegen tun kann.

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### Ca. 1992: Kaputte Autos – Die Straße der Tausend Gesichter

Scan und Text folgen.

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### 1993: Einfach abgesägt – Die Zerstörung des Regenwaldes

[ ![My Image Alt Text](https://www.abgase.org/home/user/pages/08.about/02.medienpraegung/maus.webp)](https://www.abgase.org/home/de/about/medienpraegung/maus.webp)In den führen 90ern führte ein beliebtes, deutsches Kindermagazin eine Kampagne über den Regenwald durch. Die jungen Leserinnen und Leser sollten etwas über Urwald-Abholzung und die Zerstörung des Lebensraumes von Wildtieren lernen. Scheinbar wurde sogar eine gewisse Fläche amazonischen Regenwaldes im Namen der Kinder gekauft und "gerettet".

Über mehrere Ausgaben der Zeitschrift hinweg wurde über das Thema berichtet. Als der Artikel mit dem hier gezeigten Ausschnitt erschien, war ich 7 Jahre alt. Wie schon beim [kleinen Maulwurf](#maulwurf) finde ich die Darstellung dafür, dass sie sich an Kinder richtet, ziemlich schonungslos. Wenigstens wurde ihr hier mit der Aktion zur Rettung des Regenwaldes ein wenig Hoffnung entgegengesetzt. Die bedrückende Darstellung hatte das Ziel, das Umweltbewusstsein der Kinder zu stärken.

Mich haben die Bilder natürlich gar nicht mehr losgelassen. Besonders schockierend fand ich die Foto mit dem Holzfäller. Selbst heute sind so direkte, unverblümte Bilder von einzenlen Urwald-Baumfällungen nicht üblich. In aller Brutalität sieht man, wie sich die lange Klinge der Motorsäge tief in das Holz des riesigen, alten Urwaldbaumes schneidet. Ein zweiter Schnitt über dem darunter sichtbaren ersten Schnitt, nach welchem der Baum bereits dem Tod geweiht war. Noch dazu sieht man die ölig-blaue Abgaswolke der Kettensäge, die nicht nur die Luft um den Baum verpestet, sondern auch den Holzfäller selbst einhüllt.

Dass die Motorsäge nicht nur einen Baum umsägt, sondern dabei auch noch die Luft mit Abgasen aus ihren Benzinmotor verpestet, schein mir wie eine zusätzliche Demütigung der Umwelt. Dass der Holzfäller dabei seine eigene Atemluft vergiftet, wirkte auf mich wie eine Art Gerechtigkeit. Es schien in aber auch nicht davon abzuhalten, weiterhin unwiederbringliche, uralte, majestätische Baumriesen zu fällen. Das Bild hat mich sehr lange Zeit stark bewegt und beschäftigt.

Die Texte setzen noch eine Stufe an Hoffnungslosigkeit obendrauf. Der Satz "Baum für Baum wird der Urwald einfach abgesägt" lässt nicht viel Raum für Hoffnung. Mit dem Wort "einfach" wird die Erbarmungslosigkeit und Gefühllosigkeit der Rodungen noch betont. Was die Motorsägen nicht ganz zerstören und die Abgase noch nicht völlig vergiften konnten, wird abgebrannt. Das letzte Bild wird beschrieben als das, was vom Tier-Paradies übrig bleibt. Man war offenbar auf maximalen Schock-Faktor aus.

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### Ca. 1993: Abgase im Wald und im Wasser – Trials-Meisterschaft

Eine weitere Aufnahme, die ich irgendwann auf einer VHS-Kassette entdeckte, war *Havoc VI*, eine der damals beliebten Sendungen aus Zusammenschnitten von Unglücken im Motorsport. Vermutlich hatte sie mein Vater einmal aus irgend einem Grund aufgenommen.

Als ich die Aufnahme zum ersten Mal sah, hatte ich mir meine starke Abscheu und Verachtung gegenüber dem Motorsport bereits angeeignet. Ich war ein höchst umweltbewusster, damals wohl etwa 7-jähriger Junge. Ich hatte gelernt, wie schlimm die Abgase von Benzinmotoren für Natur, Tiere und Menschen sind und konnte nicht verstehen, warum so viele Menschen trotzdem nicht auf Motoren verzichten wollten. Besonders unverzeihbar fand ich deswegen den Motorsport, wo das Benzin nur fürs im Kreis fahren verbrannt und die Abgase nur zum Spaß produziert wurden. Die Rennfahrer wussten bestimmt wie schlimm ihr Sport für die Umwelt war und taten es trotzdem. Die Fahrer einfach nur dabei zu beobachten, wie sie ihre Runden drehten, und mir dabei vorzustellen, wie viele sinnlose Abgase sie in die Umwelt bliesen, hätte mich bereits an den Bildschirm gefesselt. Ich konnte vom Gefühl der Empörung nicht genug kriegen.

Und im Film war für mich nichts empörender als der Abschnitt zur Moto-Trials-Weltmeisterschaft. Diese gut drei Minuten waren wahrscheinlich die Quelle für meine besondere Faszination für Offroad-Motorräder (die bis heute ganz oben auf der Liste steht). Im Video wurden auch Rennen mit Sportwagen, Stock-Cars, Straßenmotorrädern, Seitenwagen und Lastwagen gezeigt. Ich fand alle moralisch unvertretbar, aber die Geländemotorräder waren schon nur optisch noch eine Stufe schlimmer.

Erstens fuhren die Motorräder nicht auf einer Rennstrecke, sondern auf einem abgesteckten Parcours mitten in der Natur. Dort wirkte die Umweltverschmutzung umso verheerender als in einer künstlichen Beton-Umgebung. Bei der Anfahrt zu einer besonders kniffligen Anhöhe fuhren die Athleten sogar durch einen kleinen Bach, dessen Wasser schon richtig abstossend braun und trüb aussah. Wieder kam es mir vor als hätte jemand gedacht, die Abgase allein wären noch nicht schlimm genug und nach einem Weg gesucht, die Natur noch mehr zu demütigen. Entlang der Strecke standen viele Zuschauer. Niemanden von ihnen schien es zu stören, dass der Waldboden umgepflügt und der Bach verwüstet wurde. Für sie hatte ich fast genauso wenig Verständnis wie für die Motorradfahrer selbst.

Zweitens hatten die Motorräder, im Gegensatz zu den meisten anderen Fahrzeugen im Video, Zweitaktmotoren. Das war für meine weitere Entwicklung besonders einflussreich. Ich weiss nicht mehr ob mir damals schon bewusst war, dass die Zweitakt-Abgase nicht nur dreckiger aussahen, sondern tatsächlich auch sehr viel umweltschädlicher waren. Auf jeden Fall habe ich das Band immer wieder zurückgespult und mir diese drei Minuten unzählige Male angeschaut. Gebannt und ungläubig habe ich auf die dicken, blauen Abgaswolken gestarrt, welche die Motorräder hinter sich zurückliessen. Weder Fahrer noch Zuschauer nahmen den abscheulichen Qualm zur Kenntnis.

Ganz besonders in mein Gedächtnis eingebrannt hat sich der Versuch des Fahrers, der im Video ab 38:07 gezeigt wird. Im ganzen Abschnitt pustet kein Motorrad dickere Abgaswolken aus dem Auspuff als seines. Wenn er im verdreckten Bach Gas gibt, bläst das leicht nach unten gerichtet Auspuffrohr die blauen Giftwolken an die Wasseroberfläche – wieder wie eine zusätzliche Schändung der Natur obendrauf, um die ohnehin schon verheerende Umweltverschmutzung noch grauenvoller aussehen zu lassen. Als sich die Art meiner Obsession für sinnlose Umweltverschmutzung auszuweiten begann, und mit neu entdeckten körperlichen Empfindungen vermischte, diente dieser Videoschnippsel als prägendes Anschauungsmaterial.

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### Juni 1997: Qualmende Auspuffe – Motocross im Kinderfernsehen

In einer Kindersendung des Schweizer Fernsehens gab es gelegentlich Beiträge, in welchen ein Hobby oder eine Sportart vorgestellt wurde. Eines Tages, mit 11 Jahren, schaute ich mir die Sendung an als, wie aus heiterem Himmel, die vorgestellte Sportart doch tatsächlich Motocross war. Einfach so, als cooles Hobby wie viele andere. In früheren Folgen wurden Sportarten wie Snowboarden und Karate vorgestellt. Und jetzt, als ob daran nichts bedenkliches oder kontroverses wäre, ein Hobby bei dem man mit Benzinschleudern die Luft mit Abgasen verpestete.

Schon die zweite Einstellung zeigt, in frontaler Nahaufnahme, den puckernden Auspuff eines Kinder-Motorrades der abstoßende, blau-graue Abgase in Richtung der Kamera bläst. Ohne Kommentar, einfach als interessante Kameraeinstellung um auf neckische Art zu zeigen, dass hier echte Benzinmotoren laufen.

Der Beitrag ist eine eigentliche, an Kinder gerichtete Werbung für den Motocross-Sport. Die Umweltverschmutzung wird dabei natürlich gar nicht angesprochen. Alles dreht sich darum, wie toll und aufregend der Sport ist. Und natürlich ist eine der Kernaussagen fürs junge Publikum: auch ihr könntet Motocross fahren! Der jüngere der beiden vorgestellten Fahrer ist 7 Jahre alt, aber im Beitrag sind auch noch jüngere Teinehmer zu sehen.

Als der Beitrag gezeigt wurde, war ich bereits ein paar Jahre älter als die beiden vorgestellten Fahrer. Ich weiss nicht mehr ob ich zu dieser Zeit bereits über Kinder-Motorsport Bescheid wusste, oder mich immer noch damit tröstete, dass diese niederträchtigen Benzinmotoren wenigstens erst ab 14 Jahren und mit einem Mofa-Führerschein bedient werden durften. Lange Zeit hatte ich noch die Hoffnung, dass die meisten meiner Altersgenossen und -genossinen meine Ansichten teilten, und wir als Erwachsene so viel umweltbewusster und vernünftiger sein und die Umwelt retten würden.

So oder so fand ich es aber entmutigend in diesem Beitrag zu sehen wie Kinder, die noch jünger waren als ich, so gedankenlos auf qualmenden Motorrädern durch die Gegend fuhren und die Luft mit Abgasen verpesteten. Es sah nicht aus als würden sie je einen Gedanken daran verschwenden, ob ihr Hobby vielleicht eine unvernünftige Benzinverschwendung und Umweltbelastung war. Sie wurden von den Erwachsenen ja auch zum Motorsport ermutigt. Weder Eltern noch Trainer oder Rennveranstalter hatten ein Interesse daran, dass sich die Motocross-Kinder mit Zweifeln und Umweltbedenken herumschlagen. Was ich sah war ein System, in welchem Erwachsene Umweltsünder die nächste Generation dazu erzogen, ebenfalls keine Skrupel zu haben, zum Spaß die Umwelt zu verschmutzen. Meine naive Hoffnung auf eine umweltbewusstere, jüngere Generation war zertrümmert. Eher sah es danach aus, als ob der Kreislauf so weitergehen würde. Auch gleichaltrige oder noch jüngere Kinder wollten nicht auf Benzinmotoren verzichten – nicht einmal für derart sinnbefreite Aktivitäten.

Neben der unverblümten Auspuff-Großaufnahme zu Beginn gab es in dem kurzen Beitrag noch einige weitere Szenen, die mir unter die Haut gingen und mich fassungslos machten. Das, soweit ich wusste, völlig sinnlose aufheulen lassen des Motors im Leerlauf, um bei dieser sowieso schon zwecklosen Benzinverschwendung absichtlich noch etwas mehr Abgas in die Luft zu blasen (0:12, 2:32); das Kontrollieren des Benzintanks, bei welchem sogar der junge Motocrosser von den beißenden Dämpfen ein wenig benommen zu werden scheint (0:55); das Losfahren in Reih und Glied, wobei jedes Kind in der Abgasfahne des Motorrads vor ihm fahren und den Gestank einatmen muss, während es mit seinem eigenen Motorrad wiederum den Fahrer hinter sich einqualmt (1:06); der bissige Lärm der schrill heulenden Zweitaktmotoren, der perfekt zu solch besonders schlimmen Dreckschleudern zu passen scheint (1:59); oder die Ausführungen des Vaters wie schlimm es wäre, wenn einem Fahrer während des Rennens das Benzin ausginge (4:48). Ich hatte meinerseits schon Schwierigkeiten mich damit abzufinden, dass hier 7-jährige Kinder einen beachtlichen Benzinverbrauch haben durften, ohne dass das jemand hinterfragt hätte. Die vermittelte Lektion war, dass Benzin etwas ganz Normales und Natürliches ist, das einfach da ist und das man verwenden kann und darf, wozu auch immer man Lust hat. Und wenn der Tank leer ist, füllen ihn die Eltern wieder auf.

Am denkwürdigsten war für mich aber ganz klar der Rennstart ab Minute 3:59. Etwa 20 junge Motocrossfahrer stehen aufgereiht am Startgatter. Alle Motoren drehen hoch, hinter den Motorrädern schießen dicke, blaue Abgasfahnen aus den Auspuffen. Die Fahrer standen offenbar schon eine Weile mit laufendem Motor am Gatter, denn der Wind hat die Wolken bereits wieder nach vorne geweht. Einzelne Auspuffwolken sind nicht mehr erkennbar, sie vermengen sich zu einer einzigen, großen Abgaswolke welche die Kinder selbst wieder einhüllt. Beim Rennstart hinterlassen die Motorräder einen dicken Abgasdunst, der das ganze Bild ausfüllt. Doch ein Fahrer hatte Probleme beim Einlegen des Gangs. Er bleibt in den Abgaswolken der anderen Motorräder zurück. Dann findet er den Gang und setzt dem restlichen Feld nach – und lässt dabei natürlich selbst einen dicken, blauen Strahl aus giftigen Abgasen zurück. Das Rennen läuft, die Fahrer konzentrieren sich auf der Strecke auf ihr Rennen, während der Startbereich in einem stickigen Smog aus Schadstoffen zurückgelassen wird. Ein verräterisches Zeugnis davon, wie umweltschädlich dieser Sport wirklich ist, und eine Erinnerung daran, dass dieser Schadstoffausstoß während des ganzen Rennens auf der Strecke weitergeht, einfach besser verteilt und daher weniger sichtbar.

Damals fragte ich mich ob diese Fahrer, so jung wie sie waren, vielleicht wirklich einfach noch nicht wussten, wie schädlich ihre Motorräder für die Umwelt sind. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie im Umfeld des Motorsports jemand darüber aufklären und so riskieren würde, ihnen den Spaß zu verderben. Aber bei diesen Szenen fiel es mir schwer, das zu glauben. Wenn schon die Dämpfe des Benzins so unangenehm in den Augen und der Nase brennen, könnte man doch auf den Gedanken kommen, dass es ungesund ist. Außerdem schienen die Motocrosser ziemlich häufig die Abgaswolken der anderen Motorräder (oder, bei ungünstigem Wind, sogar des eigenen) abzukriegen. Beim Einatmen dieses beißenden, stickigen, Reizhusten auslösenden Qualms müsste man sich doch automatisch fragen, ob es eine gute Idee ist, Unmengen davon in die Luft zu blasen.

Damals und heute stehen die 6 Minuten dieses Beitrags sinnbildlich dafür, was mich an Abgasen und Umweltverschmutzung am meisten beschäftigt und in den Bann gezogen hat, gerade im Zusammenhang mit dem Motorsport: Die, im großen Ganzen betrachtet, völlige Unsinnigkeit, wofür die Abgase produziert werden. Die Bereitschaft, ohne jeden Skrupel sogar die umweltschädlichsten aller Motoren dafür zu einzusetzen. Das Verdrängen jeglicher Gewissensbisse über den eigentlich nicht entschuldbaren Schaden, den man dabei anrichtet. Der Widerwille, den eigenen Spaß aufzugeben, auch wenn man weiß, dass die verursachte Umweltverpestung nicht wieder gutzumachen ist. Das tapfere Aushalten der Folgen, wenn man die Schadstoffe unweigerlich selbst abkriegt – und die Umweltbelastung selbst dann nicht zur Kenntnis zu nehmen, anzusprechen oder zu hinterfragen. Konsequenterweise dann auch kein schlechtes Gewissen darüber zu haben, dass man, für den eigenen Spaß, selbst ebenfalls seine Mitmenschen solchen Schadstoffen aussetzt. Die Tendenz, die Kultur weiterzutragen und die nächste Generation dazu zu erziehen, ihren Spaß ebenfalls höher zu gewichten als eine intakte Umwelt.

Ich hatte mich in meinem Selbstverständnis als Öko-Freak eingerichtet und mir eingeredet, dass meine Generation die Umwelt respektvoller behandeln würde. Meine Entrüstung über die Umweltzerstörung richtete sich gegen die Welt der Erwachsenen, die meiner Meinung nach als Einzige dafür verantwortlich waren. Daher hat mich dieser Beitrag ziemlich unvorbereitet getroffen und schockiert. Die Jungs erzählen stolz von ihrem Motorsport-Hobby, die Kinder-Motorräder sind mit echtem Benzin vollgetankt. Eine gut gelaunte Frauenstimmen kommentiert aus dem Off den Rennstart, völlig unbeirrt von der riesigen, blauen Abgaswolke welche die Landschaft bedeckt und das ganze Bild verschleiert. Als würde die Kamera nicht gerade etwas ganz Schlimmes und Verwerfliches zeigen.

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### November 2000: Benzinverschwendung für alle – Propaganda für Motocross

[ ![My Image Alt Text](https://www.abgase.org/home/user/pages/08.about/02.medienpraegung/bravo-sport.webp)](https://www.abgase.org/home/de/about/medienpraegung/bravo-sport.webp)Auf sehr ähnliche Weise wie die [Kindersendung im Schweizer Fernsehen](#kidz) ein paar Jahre vorher, aber in Form eines Zeitschriftenartikels, stellte ein paar Jahre später auch ein deutsches Jugendmagazin den Motocross-Sport vor. Im Rahmen einer Reihe, die den Jugendlichen weniger verbreitete Sportarten näher bringen wollte, wurde auch hier nicht viel Aufhebens darum gemacht, dass bei dieser Sportart halt umweltschädliche Abgase entstehen.

Dass hier raue Mengen an Benzin verbraucht werden, hat der Artikel aber nicht verheimlicht. In der sehr nüchternen Aufführung von Fakten zum Sport wird ein Verbrauch von "6 Litern Zweitakt-Gemisch pro Stunde" erwähnt. Wohl ein bisschen mehr, als bei einer Stunde Tennis oder einer Stunde Schwimmen verbraucht wird. Dass meistens nicht nur ein Rennfahrer auf der Strecke unterwegs ist, man also insgesamt vielleicht eher mit 60, 100 oder 200 Liter Benzinverbrauch pro Stunde rechnen musste, durfte man sich dazudenken.

Ein junger Motocrosser durfte für die Fotos Modell stehen und die Schutzbekleidung vorführen. Meine Faszination für Rennbekleidung, besonders Motocross-Ausrüstung, hat nicht hier ihren Anfang genommen, dafür erschien der Artikel zu spät. Aber die stolze Präsentation hat meine Assoziationen wohl gefestigt. Ich fand es passend, dass sich die Teilnehmer einer so naturfeindlichen Sportart selbst bis zur Unkenntlichkeit verhüllen mussten, bis sie wie völlig von der Natur entfremdet aussahen. Alles daran war widernatürlich: Stiefel, Helm und Brustpanzer aus hartem Plastik, Hemd und Hose aus Kunstfasern mit voll-synthetischem Look, am Helm ein Kinnstück das aussah wie eine Gasmaske.

Ich fand, dass es ironischerweise so aussah, als müssten sich die Motorsportler mit der ganzen Ausrüstung vor der selbst verursachten Schadstoffbelastung schützen. Das Kinnstück des Offroadhelms sieht ein wenig wie eine Gasmaske aus, die den Fahrer vor der abgasgeschwängerten Luft schützen soll. Mich faszinierte die Vorstellung, dass die Fahrer selbst unter der Umweltverschmutzung leiden, sich aber lieber in dicke Schutzausrüstung hüllten um trotztem weiterfahren zu können, als mit dem Verschmutzen aufzuhören.

Meine Schwäche für Rennausrüstung stammte aber natürlich von ihrer direkten Implikation. Wer sich so kleidete, machte unmissverständlich klar dass er nicht nur ein Umweltverpester war, sondern die Verpestung auch rein zum Spaß oder sportlichen Wettkampf verursachte. Für mich war es die auffällige, bunte Uniform für die rücksichtsloseste Art von Umweltsünder. Darum fand ich es faszinierend wie stolz sich Motorsportler, auch der im Artikel abgebildete junge Mann, in ihr präsentierten. Gibt es einen deutlicheren Beweis, dass eine Person nicht das geringste schlechte Gewissen wegen der Umweltschäden hat, die ihr Sport verursacht?

Auch darüber, ab welchem Alter man bereits auf eine Motocross-Benzinschleuder sitzen darf, klärt der Artikel präzise auf. Offen wird angepriesen, dass man in den Vereinen schon ab 6 Jahren mitfahren darf, und welche Hubraumklasse für jede Alterskategorie empfohlen wird. Das war für mich das Ergreifendste am ganzen Artikel: die Kernaussage war, dass auch Motocross ein Sport für alle und nicht einmal das Alter eine Hürde ist. Er geht dabei sogar weiter als die meisten anderen Artikel, erwähnt kostenlose Schnuppertrainings und zeigt sogar die Telefonnummer, die man anrufen soll, um einen lokalen Verein zu finden.

Das löste in meiner Öko-Seele pures Entsetzen aus. Der Artikel war eine einzige Werbebotschaft für Motocross, mit direktem Handlungsaufruf damit der Leser oder die Leserin einsteigt und selbst anfangen kann, 6 Liter Zweitakt-Gemisch pro Stunde zu verbrennen. Während ich mir wünschte und dazu beitragen wollte, dass meine Generation eine umweltbewusstere sein und sich vernünftiger verhalten würde, wurde ich hier mit knallharter Propaganda der "Gegenseite" konfrontiert. Bunt und reizvoll, prominent abgedruckt in einer beliebten Jugendzeitschrift mit einer Auflage von damals einer Viertel Million Exemplaren. Unverfrorener hätten sie es nicht formulieren können: "Der Kick für alle" und "Auch du kannst mitmachen!"

Bei einer geschätzten Reichweite von damals etwa einer Million Jugendlichen könnte es ja sein, dass der Aufruf bei einigen funktioniert hat. Wie viele Millionen Liter verbrauchten Benzins könnte man wohl auf das Abdrucken dieses Artikels zurückführen?

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### September 2001: Abgas als Teil der Atmosphäre – Kartsport in der Jugendzeitschrift

 [ ![Seite 1](https://www.abgase.org/home/user/pages/08.about/02.medienpraegung/spick-1.webp) ](https://www.abgase.org/home/user/pages/08.about/02.medienpraegung/spick-1.webp) [ ![Seite 2](https://www.abgase.org/home/user/pages/08.about/02.medienpraegung/spick-2.webp) ](https://www.abgase.org/home/user/pages/08.about/02.medienpraegung/spick-2.webp)

Möglicherweise war dieser Artikel mein erster Kontakt mit dem Kartsport überhaupt. Ich weiß nicht, wo und wie ich dieser Sportart sonst hätte begegnen können.

Ich war viele Jahre Abonnent dieser Jugendzeitschrift und wurde eines Monats von diesem Portrait überrascht. Mit meinen damals 15 Jahren hatte sich meine Abneigung gegen, und Traurigkeit über, die Umweltverschmutzung bereits weit in Richtung einer morbiden Neugier, prickelnden Anziehungskraft und heimlichen, verbotenen Leidenschaft ausgeweitet. Trotzdem hat es mich noch immer sehr erschüttert wenn ich Situationen sah, in welchen die Luft meiner Meinung nach ohne guten Grund verschmutzt wurde und ganz besonders, wenn diese rücksichtslosen Umweltsünder Jugendliche waren – meiner einstige Hoffnung für eine umweltfreundlichere Zukunft.

![Detailaufnahme Rennstart](https://www.abgase.org/home/images/s/p/i/c/k/spick-foto-2-c0e39349.webp "Dicke Luft beim Rennstart")Dicke Luft beim Rennstart

[Dicke Luft beim Rennstart](https://www.abgase.org/home/de/about/medienpraegung/spick-foto-2.webp)

Auch dieser Artikel hat mit anderen dieser Seite gemeinsam, dass die verursachten Abgase offen und unverblümt dargestellt wurden. Ein leider sehr unscharfes Bild auf der zweiten Seite zeigt, wie mehrere Fahrer in Startaufstellung fahren, während aus den seitlichen Auspuffrohren ihrer Karts giftige, blaue Abgasfahnen strömen, durch welche die hinteren Karts durchfahren müssen. Wieder fragte ich mich, ob nicht doch der eine oder andere Fahrer mal die Auswirkungen dieses Sports hinterfragte, wenn er von einem Kart vor sich die volle Ladung stickiger Abgase abkriegt. Als einziger aller Beiträge dieser Seite geht der Artikel sogar wortwörtlich auf die Abgase ein. Schon das Hören oder Aussprechen des Wortes "Abgas" hat mich kribbelig gemacht (unter Anderem wegen meiner Angst, jemand könnte die unkonventionelleren Seiten meines Interesses daran entdecken). Aber auch das Wort gedruckt zu sehen war in diesem Kontext aufregend, weil es wieder in Hinweis darauf war, wie wenig sich die meisten Menschen an ein bisschen vergnüglicher Umweltverschmutzung störten. Denn die Abgase wurden nicht etwa erwähnt, um die Schattenseiten des Sports zu erwähnen. Sie dienten einfach nur der Vermittlung der Rennatmosphäre. Der allererste Satz des Artikels lautet: "Der Lärm ist ohrenbetäubend, ein Geruch von Benzin, Abgasen und Motorenöl liegt in der Luft." In einem Jugendmagazin, das auch viel über Umweltthemen berichtete, war es gelinde gesagt ungewohnt, auf so eine unkritische, fast schon positive Art von Benzin und Abgasen zu lesen.

Dazu kam die Tatsache, dass sowohl ein Junge als auch ein Mädchen vorgestellt wurden. Die Frauen- und Mädchenquote im Motorsport war damals noch tiefer als heute. Ich kann nicht ausschließen, dass dieser Artikel sogar das erste Mal gewesen sein könnte, dass ich konkret von Frauen im Motorsport erfahren hatte. Wie meine Ernüchterung über die Erkenntnis, dass Menschen, die gleich alt oder jünger waren als ich, nicht automatsich umweltbewusst waren, war dies eine zusätzliche Entmutigung. Einst dachte ich noch, dass wenigstens der weibliche Teil der Bevölkerung nicht dafür anfällig war, die Umwelt auf so unvernünftige, unsinnige Weise zu verpesten. Immerhin die Hälfte der Welt würde sich für die Natur einsetzen. Aber natürlich hatte die Emanzipation und Gleichberechtigung auch hier bereits Fortschritte gemacht, und so das potentielle Publikum für umweltsünderische Sportarten verdoppelt.

![Detailaufnahme Rennkart](https://www.abgase.org/home/images/s/p/i/c/k/spick-foto-1-68cf60f3.webp "Rennkart mit seitlich ausgerichtetem Auspuffrohr.")Rennkart mit seitlich ausgerichtetem Auspuffrohr.

[Rennkart mit seitlich ausgerichtetem Auspuffrohr.](https://www.abgase.org/home/de/about/medienpraegung/spick-foto-1.webp)

Meine Faszination für den Kartsport war von da an jedenfalls in Stein gemeißelt, und folgt bis heute dicht auf dem zweiten Platz hinter Motocross. Natürlich war die weitgehende Verbreitung der stinkenden, qualmenden Zweitaktmotoren ein Hauptfaktor. Aber auch die Rennoveralls reihten sich neben der Motocross-Ausrüstung als reizvolles Symbol unbesonnener Umweltverschmutzung ein. Auf ihre eigene Art scheinen sie ebenso, alles Menschliche der Personen, die sie tragen, zu verstecken. Zusammen mit Helm, Schuhen und Handschuhen bleibt nur noch die grobe Form erkennbar. Sie sehen aus wie Raumfahrer, die sich vor einer lebensfeindlichen Atmosphäre schützen müssen. Was ja gar nicht so weit von der Tatsache entfernt ist, wenn man sieht, was für beeindruckende Abgasglocken beim Start eines Zweitakt-Kartrennens entstehen können. Auch eine andere Eigenheit des Kartsports passt zu dieser Vorstellung. Die Auspuffrohre vieler Karts zeigen zur Seite. Weil die Aufstellung bei Start und Vorstart oft zweireihig ist, führt das zu interessanten Szenen. Wer das Pech hat, in der linken Reihe zu stehen, befindet sich direkt in der "Schusslinie" der Karts in der rechten Reihe. So sieht man nicht selten wie Kartfahrer, während sie auf den Start warten, pausenlos direkt von den Auspuffgasen des Karts neben sich angeblasen und eingehüllt werden. Wie gesund! Im Bild auf der zweiten Seite des Artikels kann man das noch erahnen, auch wenn der Start dort bereits stattgefunden hat.

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## Und was hat dich geprägt?

Die Auswahl auf dieser Seite ist natürlich höchst persönlich. Als ich aufwuchs sind mir die Themen Umweltverschmutzung, Benzinabgase, Motorsport und Waldrodungen noch an vielen anderen Orten begegnet. Diese Zeitschriftenbeiträge und Fernsehsendungen haben sich aber besonders tief in mein Gedächtnis eingeprägt. Schon als ich die Bilder zum ersten Mal sah, lösten sie ein Kribbeln aus. Ich kann mich gut an das Gefühl erinnern: die Verschmutzung und Zerstörung der schönen Natur so deutlich abgebildet zu sehen war schockierend und sehr aufwühlend. Die Gelassenheit und Gleichgültigkeit der sie verursachenden Menschen, die ebenfalls auf den Bildern zu sehen waren, hat mich absolut fassungslos gemacht. Der Anblick liess meinen Puls steigen und mir schoß das Adrenalin ins Blut, manchmal lief mir ein Schauer über den Rücken.

Es ließ mich einfach nicht los, also habe ich die Ausschnitte und Videobänder sorgfältig in meinem Zimmer aufbewahrt und sie mir immer und immer wieder angeschaut. Ich wollte verstehen, wie diese Leute so rücksichtslos sein konnten. Ich wollte herausfinden, ob sie vielleicht gar nicht wussten, welchen Schaden sie anrichteten, oder ob es ihnen einfach egal war. Und ich wollte das aufregende, ergreifende Gefühl meiner Empörung wieder und wieder spüren. Es muss dieser durchdringende Nervenkitzel gewesen sein, weshalb ich die Bilder irgendwann nicht mehr nur aufwühlend und entsetzlich, sondern immer mehr auch reizvoll, bestechend und verführerisch fand. Ich wurde süchtig nach dem Adrenalinrausch, den mir mein Entsetzen über die abgebildete Umweltverpestung gab!

Zehntausende von Kindern und Jugendlichen haben die gleichen Artikel gelesen und sich die Fotos angeschaut, oder haben die gleichen Sendungen im Fernsehen gesehen. Auf die meisten von ihnen dürften sie nicht annähernd den Einfluss ausgeübt haben, den sie auf mich hatten. Bei einigen Jugendlichen haben sie das Umweltbewusstsein geschärft. Bei anderen haben sie den Wunsch geweckt, einen Motorsport auszuprobieren. Auf mich hatten sie einen dritten, unbeabsichtigten Effekt: das Herbeiführen einer leidenschaftlichen Neigung für den Anblick leichtsinniger Umweltverschmutzung.

Erinnest du dich ebenfalls an einen der oben erwähnten Artikel oder Beiträge? Welche Gedanken gingen dir damals durch den Kopf? Oder hast du einen eigenen Medienschnippsel, mit dem du ähnliche Erinnerungen verbindest? Schreib es doch in die Kommentare!

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