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Die Abgas-Homepage

Motoren, Abgase und Umweltverschmutzung

Der Mensch und seine Sucht nach Verbrennungsmotoren

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Eine entsetzliche Benzinverschwendung

Benzinmotoren sind unverschämte Maschinen. Sie sind laut, dreckig und stinken. Sie verbrennen nicht erneuerbare, fossile Brennstoffe und verpesten unsere Luft mit krebserregenden Abgasen. Einen Verbrennungsmotor zu verwenden ist eine persönliche Entscheidung, aber unter den Folgen leiden alle: Gesundheitsschäden, eine vergiftete Umwelt und ein verheerender Klimawandel.

In Verkehr und Industrie leisten Benzin- und Dieselmotoren immerhin noch zweckmäßige Arbeit, aber längst nicht jeder Einsatz von Motoren ist vernünftig zu rechtfertigen. Für viele Menschen zählt Bequemlichkeit mehr als Umweltschutz. Herbstblätter kehren sie lieber mit dem Laubbläser als dem Besen weg. Den Motorenlärm und die stinkenden Abgaswolken finden sie vielleicht etwas lästig, aber erdulden sie. Die schweren, langfristigen Folgen für die Umwelt scheinen dagegen weit entfernt und abstrakt. Dass die Schadstoffe, die sie in die Luft blasen, die Atmosphäre Jahrhunderte lang belasten werden, sieht und spürt man nicht. Der unangenehme Gedanke lässt sich leicht verdrängen.

Ein junger Mann wärmt den Motor eines Zweitakt-Fadenmähers auf. Die Auspufföffnung ist direkt auf die Kamera gerichtet und schwache, bläuliche Abgaswolken strömen aus ihr heraus.
Ein Fadenmäher mit Zweitakt-Motor wird aufgewärmt. Maximale Lärmbelastung und Luftverschmutzung für eine minimale Arbeitserleichterung. (Video)

Motoren werden aber auch noch leichtsinniger eingesetzt. Im Motorsport etwa wird Benzin zum reinem Vergnügen verbrannt. Der verursachten Umweltverschmutzung steht dort gar kein vernünftiger Nutzen mehr gegenüber. Motorsportler:innen fahren zum Spaß und Wettbewerb im Kreis, während ihre "Sportgeräte" die Luft mit giftigen Abgasen verseuchen. Die Teilnehmer:innen und das Publikum gönnen sich einen unterhaltsamen Tag auf Kosten der Umwelt.

Man kann das für eine unvernünftige und rücksichtslose Benzinverschwendung halten, vielleicht sogar moralisch verwerflich und verachtenswert finden. Vor den Konsequenzen kann man sich trotzdem nicht schützen. Die Natur kennt kein Verursacherprinzip und Abgase halten sich nicht an Grenzen. Wir alle teilen uns dieselbe Atemluft. Die Entscheidung, sie zu ihrem persönlichen Vergnügen mit Auspuffgasen zu verschmutzen, treffen die Motorsportler:innen aber ganz alleine. Sie sind für die leichtfertige Zerstörung unserer Lebensgrundlage niemandem Rechenschaft oder eine Erklärung schuldig.

Motocrossfahrerinen am Rennstart. Eine dicke Wolke aus Zweitaktabgasen schießt aus dem Auspuffrohr eines der Motorräder.
Start eines Motocross-Rennens. Ein paar wenige Rennfahrerinnen verschmutzen mit ihren Motorrädern die Atemluft von uns allen. Das Rennen ist eine halbe Stunde Spaß und Action, aber die Abgase werden die Umwelt noch Jahrhunderte lang belasten. (Video)

Auf Abgase.org geht es um dem unbekümmerten oder sinnlosen Gebrauch von Verbrennungsmotoren, sowie Menschen die keine Skrupel haben, unsere Umwelt für ihre Bequemlichkeit oder ihr Vergnügen zu verpesten. Sie besuchen mit ihren Freundinnen und Freunden die Kartbahn, genießen im Urlaub eine Ausfahrt auf dem Jetski, mähen ihren Rasen mit der Motorsense, oder laden beim Zelten ihr Handy am Stromgenerator auf. Niemand kann ihnen verbieten, ihre Hobbies und Freizeitaktivitäten mit Benzinmotoren und reichlich Treibstoff aufzupeppen, aber unter den Folgen leiden auch alle, die mit dieser Verschwendung nicht einverstanden sind. Den giftigen Abgasen, die aus ihren Auspuffen strömen und unsere Lungen füllen, sind wir schutzlos ausgeliefert.

Der Höhepunkt menschlichen Fortschritts?

Zweifellos sind Verbrennungsmotoren eine der beeindruckendsten menschlichen Erfindungen und ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Die Massenproduktion von Autos mit Benzinmotor im frühen 20. Jahrhundert führte zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Motorenbenzin. Durch riesige Ölfunde und neue Raffinierungsverfahren wurde Benzin schnell zum ergiebigsten, praktischsten, billigsten und effizientesten Energieträger.

Ein Motocrossfahrer füllt den Benzintank seines Motorrades mit Zweitaktgemisch.
Damit fängt alles an: Motorenbenzin. Eine klare, harmlos aussehende, aber höchst gesundheitsschädliche und für die Umwelt verheerende Flüssigkeit. (Video)

Verbrenner waren aber nicht bloß ein Ersatz für Kohle und Dampfantriebe in Industrie und Verkehr. Da Benzinmotoren so billig zu betreiben waren begannen Erfinder unzählige Ideen zu entwickeln, wozu man sie sonst noch einsetzen könnte. Offensichtlich war, dass es auch unheimlich viel Spaß machte die Motoren zu bedienen, weil man ihre ungezähmte Kraft so direkt kontrolliert. Die Reaktion kommt unmittelbar nach dem Griff an den Gashebel: ein lautes Aufheulen, ein aggressives Rütteln, eine Rauchwolke aus dem Auspuff. Es scheint fast, als wären diese Maschinen schon immer für Sport und Spaß vorbestimmt gewesen.

Der menschliche Erfindergeist war entfesselt. Fast alles ließ sich mit einem Benzinmotor aufregender machen. Wir haben sie versiegelt, um sie im Wasser einzusetzen; verkleinert, um sie in Fahrzeuge für Kinder zu verbauen; leichter gebaut, um sie für die Gartenarbeit als Rucksack mit uns herumtragen zu können. Wir haben Lichtmaschinen angehängt, um mit ihnen Strom zu erzeugen und ihre Treibstoffe optimiert, damit sie auch bei arktischen Temperaturen noch funktionieren.

Benzinmotoren haben unsere Welt und unser Leben geprägt. Heutzutage werden jährlich etwa 200 Millionen von ihnen hergestellt und es gibt weltweit schätzungsweise zwei Milliarden davon. Jedes Kind weiß was ein Motor ist, wie er klingt und riecht. Jugendliche können es kaum erwarten, endlich alt genug für ihr eigenes Mofa zu sein. Verbrennungsmotoren sind überall, sie sind eine der erfolgreichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte und eines unserer begehrtesten Güter.

Aber Benzinmotoren faszinieren uns nicht nur weil sie technisch so raffiniert sind. Sie sprechen auch unsere Instinkte an weil sie, anders als jede andere Maschine, geradezu lebendig scheinen. Wir hören den Motor vor sich hin knattern, spüren die Hitze und das ungeduldige Vibrieren der Zylinder. Es scheint fast schon ein Wesen zu sein das lebt und atmet – und tatsächlich atmet der Motor, genau wie wir, frische, sauerstoffreiche Luft ein und die verbrauchte Abluft wieder aus. Mit jedem Zug am Gas heult der Motor wild auf und stößt eine weitere Rauchwolke aus. Keine andere Maschine wirkt so lebendig und dynamisch.

Ganz unabhängig davon, wozu sie eingesetzt werden: mit ihrem Knattern und Rütteln, dem stechenden Geruch von verbranntem Öl und Benzin und den dicken, blauen Abgaswolken, die aus dem Auspuff strömen, sind laufende Motoren immer auch etwas Aufregendes, Mitreißendes und, auf einer zutiefst menschlichen Ebene, Reizvolles. Vielleicht sind wir deshalb so von ihnen besessen, obwohl sie unsere natürlichen Lebensgrundlagen zerstören?

Blick von hinten auf einen Go-Kart-Rennfahrer in einem schwarzen Rennanzug. Der Go-Kart bläst eine dicke, blaue Abgaswolke aus dem Auspuff.
Foto von Takashi Azuma (Azuma303), lizenziert unter CC BY-NC 2.0.

Eine bildliche Reise durch die Vielfalt der Luftverschmutzung

Ein Planet versinkt in Abgasen

Ob an Land, zu Wasser oder in der Luft, ob bei der Arbeit, beim Sport oder einfach nur zum Spaß: die Welt wimmelt von Motoren. Ob jung oder alt, arm oder reich, in der Großstadt oder im tiefsten Urwald: immer und überall verbrennen Menschen Benzin. Und so sind auch die stickigen, tödlichen Abgaswolken der Motoren ein ständiger Begleiter menschlicher Zivilisation.

Diese Bilder zeigen nur eine winzige Auswahl der verschiedenen motorisierten Geräte und Fahrzeuge mit welchen wir Menschen, aus Zweckmäßigkeit oder Unfug, unsere eigene Atemluft vergiften.

Das Abgase.org-Fotoarchiv enthält Hunderttausende von Bildern, welche die rücksichtslose Verschmutzung und Zerstörung der Natur durch den Menschen bezeugen. Die öffentliche Galerie zeigt Auszüge aus der Sammlung und wird laufend durch einige der entsetzlichsten Beispiele sinnloser, menschengemachter Umweltverschmutzung erweitert, die je fotografiert wurden.

Wie die Menschheit der Benzinkultur verfiel

Motoren durchdringen heute alle Gesellschafts- und Altersschichten. Seit dem Aufkommen des Verbrenners sind unzählige Sportarten und Aktivitäten entstanden, bei welchen man sich motorisiert vergnügen kann, sofern man dabei keine Gewissensbisse hat. Vom Kartfahren und Motocross über Jetskis und Schneemobile, Geschicklichkeitsübungen oder Fußball auf dem Motorrad, bis hin zu Schwimmhilfen oder Modellautos mit Benzinmotor: es gibt etwas für jeden Geschmack und jede Gelegenheit.

Mit Mofas und Rollern begann der Markt sogar, sich ausdrücklich an Jugendliche zu richten. Millionen von Teenager:innen erlebten ihre ersten Gefühle wahrer Freiheit und Mobilität auf einem der unglaublich beliebten Zweitakt-Motorroller. Die Scooter brachten die Jugendlichen zur Schule, zu Freunden und zu Treffpunkten, oder einfach auf eine kleine Ausfahrt. Das Taschengeld wurde zweckgebunden zum Benzingeld umdeklariert.

Einen Motorradhelm musste man als Jugendlicher oder Jugendliche unbedingt besitzen, nur schon um Sozius fahren zu können. Der Helm war auch Statussymbol, stolz trug man ihn über den Pausenhof und ins Klassenzimmer. Nach Schulschluss machten sich dann Dutzende Schüler:innen daran, ihre Roller für die Heimfahrt aufzuwärmen. Die Kleinmotoren summten wie ein Bienenstock und der Schulhof verschwand jeden Tag für ein paar Minuten in einem blauen Nebel aus stickigen Zweitaktabgasen. Wer noch mit Muskelkraft statt Benzin unterwegs war, blickte beim Aufschließen des Fahrrads neidisch hinüber zum Motorengetümmel.

Der rostige Auspuff eines Zweitakt-Motorrollers.
Auspuff eines Zweitakt-Motorrollers. Solche "Scooter" sind für viele Jugendliche das Fahrzeug, mit dem sie erstmals selbst aktiv zur Abgasbelastung beitragen.

Auch der Motorsport und seine Ästhetik etablierten sich in der Allgemeinheit. Profi-Rennfahrer wurden zu Stars, ihre Rennbekleidung wirkte aufregend und betörend. Jugendliche hingen sich Poster von Formel-1-Fahrern in ihren Overalls ins Zimmer. Dank der Kombination aus eleganter Ingenieurskunst hinter den Rennmaschinen und den beeindruckenden körperlichen Leistungen der Rennfahrer:innen wurden die Disziplinen des Motorsports als besonders moderne und zeitgemäße Sportarten angesehen. Während die Gesellschaft auf der einen Seite ein wachsendes Umweltbewusstsein entwickelte, war die Kultur des Motorsports andererseits in ihrer Mitte angekommen und akzeptiert worden.

Motorsport wurde auch immer erschwinglicher und breitete sich vom Profi- allmählich in den Amateur- und Freizeitbereich aus. Immer mehr Menschen wollten in ihrer Freizeit selbst ein wenig Spaß mit Motoren haben, und die Angebote folgten. In jeder größeren Stadt entstand eine Kartbahn, und im Urlaub gehörten das Jetski-Fahren, eine Schneemobil-Tour oder die Rollermiete zu den beliebtesten Aktivitäten.

Niedrigschwellige Sportarten wie Motocross wurden zum Breitensport für alle. Überall wurden Hobbyrennen veranstaltet und lokale Vereine ermöglichten es allen, den Sport selbst auszuprobieren. Für Kinder und Jugendliche wurden Schnupperkurse angeboten, damit auch die Jüngsten die Welt der Benzinmotoren und des Motorsports entdecken konnten.

Ein junges Mädchen bereitet sich auf das Motocross-Fahren vor.
Im Motorsport wird das Verbrennen von Benzin zum Spaß schon für die Jüngsten normalisiert. Wer in dieser Szene aufwächst, wird sich später eher nicht "Fridays for Future" anschließen.

So sind mit der Zeit vielseitige Subkulturen rund um die motorisierte Freizeitgestaltung entstanden. Ich nenne sie zusammenfassend Benzinkultur. Industrien entstanden rund um Motorgeräte und Motorfahrzeuge, die offensichtlich nur zum Vergnügen dienen, und um die Schutzkleidung die man dabei trägt – jede Sportart mit ihren eigenen Marken, Stilen und Trends. Eine Mode, mit der man sich unmissverständlich als Umweltsünder oder Umweltsünderin outet, und ausdrückt, dass man sich nicht dafür schämt.

Bis heute ist die Benzinkultur allgegenwärtig und vielseitig, von der Teenagerin, die auf ihrem Motorroller Spritztouren unternimmt, bis zum professionellen Rennfahrer. Eines haben sie alle gemeinsam: auf ihren persönlichen Komfort, Spaß oder Nervenkitzel legen sie mehr Wert als auf eine intakte Umwelt, die Gesundheit ihrer Mitmenschen, oder gar ihre eigene.

Motorenlärm übertönt das schlechte Gewissen

Verbrennungsmotoren stoßen heutzutage auf etwas mehr Widerstand als in den letzten paar Jahrzehnten. Die Umweltbewegung, die in den 1970er-Jahren erstmals große Beachtung fand, gewinnt bis heute weltweit an Fahrt. Die befürchteten Folgen des Klimawandels werden nach und nach zur Realität, und die weiteren Prognosen sehen schlecht aus. Fälle eklatanter Umweltverschmutzung werden eher angeprangert, besonders, wenn sie unnötig scheinen.

Trotzdem sieht es auch in Zeiten von Fridays for Future und Extinction Rebellion nicht danach aus, als würde die Benzinkultur stark an Popularität einbüssen. In den Vororten knattern immer noch benzinbetriebene Gartengeräte, die auch im Baumarkt weiterhin gerne verkauft werden. Motorsport ist immer noch weithin beliebt und zieht große Publikumsmengen an. Die Nachwuchsförderung floriert, wobei nur wenige Kinder großes Interesse an den neuen Elektrofahrzeugen zeigen. Benziner gelten immer noch als das Maß der Dinge, auf das man früher oder später umsteigen will. Auch für Teenager:innen ist das echte Statussymbol immer noch der Roller mit Benzinmotor, trotz dem Erfolg der Elektroroller – oder erst recht deswegen. Und den Motorradschein zu machen ist unter Jugendlichen, gerade auch bei jungen Frauen, beliebter denn je.

Eine junge Frau macht sich bereit, Motocross zu fahren
Die Benzinkultur ist längst nicht mehr eine reine Männerdomäne.

Es ist paradox. Wir wissen heute mehr denn je über die Auswirkungen der Abgase von Benzinmotoren auf unsere Gesundheit, die Umwelt und das Klima. Die Langzeitschäden, die durch all das Gift verursacht werden, welches wir in den letzten hundert Jahren bereits in unsere Atmosphäre gepumpt haben, werden immer offensichtlicher und lassen sich nicht mehr leugnen. Klimamodelle stellen uns geradezu apokalyptische Zukunftsszenarien in Aussicht, selbst wenn wir unseren Schadstoffausstoß sofort stoppen würden. Und trotzdem scheinen wir uns als Spezies nicht von unserer Benzinsucht lösen zu können.

Hunderte Millionen Menschen geben sich weiterhin dem motorisierten Vergnügen hin. Die Ausrede, nicht über die Umweltauswirkungen Bescheid zu wissen oder sie zu bezweifeln, ist nicht mehr glaubwürdig. Diese Menschen müssen ihr besseres Gewissen bewusst und absichtlich unterdrücken. Auf ihren Dirtbikes und Rollern, an ihren Rasenmähern und Motorsägen, oder unter Freunden auf der Kartbahn, könnten plötzlich aufkommende Gedanken an die Umwelt ihnen sonst noch den Spaß verderben. Die Abgaswolken, der beißende Gestank und die Schadstoffe werden kollektiv ignoriert und totgeschwiegen, damit niemand eingestehen muss wie unverzeihlich es eigentlich ist, sie einfach so in die Luft zu blasen.

Ein junger Motocrossfahrer wärmt sein Zweitakt-Dirtbike auf und bläst dicke Abgaswolken in einen unberührten, saftigen Wald.
Offroadsport ist besonders schädlich. Da die Abgase inmitten der Natur ausgestoßen werden, sind Pflanzen und Lebensräume von Tieren höchsten Schadstoffkonzentrationen ausgesetzt. (Video)

Einer Spezies geht der Sprit aus

Es ist ironisch dass wir uns mit einem Höhepunkt der menschlichen Intelligenz und Schaffenskraft, dem Verbrennungsmotor, die eigene Lebensgrundlage zerstören. Es zeugt davon wie schwierig es für den menschlichen Verstand ist, Vorgänge zu erfassen, deren Dauer seine eigene Lebenserwartung übersteigen. Unser Gehirn ist nicht darauf ausgelegt Entscheidungen zu treffen, die sich erst in ferner Zukunft auszahlen werden.

Rational wissen wir um die verhängnisvollen Folgen der Luftverschmutzung und wie schlecht es bereits um unsere Umwelt bestellt ist. Wir wissen, dass wir unseren CO₂-Ausstoß unbedingt minimieren sollten. Aber diese Tatsachen sind weit weg von der Realität unseres Alltags. Schließlich kommt uns die Luft draußen immer noch frisch und sauber vor, wir atmen ohne Probleme. Außerdem sind die Abgaswolken doch nach wenigen Sekunden zerstreut, fortgeweht und nicht mehr sichtbar. Wie schlimm kann es also sein? Die unmittelbaren Belohnungen spürt unser Verstand instinktiv viel stärker: das Jetski-Fahren macht großen Spaß; mit dem Roller komme ich viel bequemer zur Uni; mit dem Rasentrimmer spare ich ein wenig Zeit bei der Gartenarbeit.

Eine junge Frau bläst mit einem Zweitakt-Rasentrimmer eine blaue Abgaswolke in die Luft.
Eine junge Frau bedient einen Rasentrimmer mit Zweitaktmotor. Trotz dem winzigen Motor und der Tatsache, dass dieser nichts weiter bewirkt als einen Faden rotieren zu lassen, stoßen solche Geräte so viele Schadstoffe aus wie Hunderte von Autos. (Video ohne Ton)

Die Veränderungen seit der Entdeckung des Erdöls und der Entwicklung des Verbrennungsmotors sind viel zu jung, als dass sich unsere Spezies evolutionär an die neuen Umstände hätte anpassen können. Unsere Triebe haben sich entwickelt, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern. Doch die Gefahren sind nicht mehr dieselben. Wir fürchten uns instinktiv vor großen Raubtieren, ekeln uns vor potentiell giftigen Insekten, und unsere Geschmacksnerven warnen uns vor möglicherweise giftiger Nahrung. Hätte sich unsere Art rechtzeitig anpassen können, würden wir uns zum Selbstschutz vermutlich vor dem Geruch von Benzin ekeln. Leider scheinen die meisten Menschen den Geruch aber sogar zu mögen.

So kam es, dass wir uns als Spezies radikal von der Natur entfremdet haben, die uns einst hervorgebracht hat und auf die wir immer noch angewiesen sind. Diese Entfremdung ist wohl nirgends so deutlich sichtbar wie beim Motorsport. Wir bauen teuflische Maschinen und befüllen sie mit Erdöl, einer höchst giftigen Substanz, die wir unter Verursachung großer Umweltschäden tief aus der Erde holen. Mit den Maschinen verbrennen wir dieses Öl unter ohrenbetäubendem Lärm, wobei frische Atemluft in ein stinkendes, tödliches Gas verwandelt wird, welches wir dann einfach wieder in die Luft blasen. All dies nur, um ein Rad anzutreiben, weil es uns Spaß macht, schnell zu sein.

Dazu tragen die Fahrer:innen Schutzausrüstung, die ebenfalls aus dem giftigen Erdöl hergestellt wird. Selbst die Ausrüstung verseucht die Natur, über Mikroplastik und ausgespülte Weichmacher, und wird auch nach Jahrhunderten noch nicht zersetzt und abgebaut sein. Von Kopf bis Fuß in Plastik eingehüllt sind die Fahrer:innen auch äußerlich nicht mehr als natürliche Wesen erkennbar. Mit dem Aufsetzen des Helms verschwindet der letzte Anschein von ihnen als Teil der Natur.

Plötzlich erscheint die Umweltverschmutzung, die sie verursachen, auch etwas weniger paradox. Im gepanzerten Plastik sehen sie nicht mehr wie Wesen aus, die auf eine intakte Umwelt angewiesen sind. Sie sind Fremdkörper, die nicht im Einklang mit der Natur leben sondern sich vor ihr schützen müssen. Wenn sie in ihrer selbst verursachten Wolke aus stickigem, trüben, öligen Auspuffgas stehen, sieht es fast so aus als wäre das die Luft, in welcher sie sich am wohlsten fühlen.

Eine Gruppe von Motocross-Fahrern auf ihren Motorrädern. Große Mengen dicker, blauer Abgase verdecken die Sicht.
Nicht alle Anhänger der Benzinkultur blenden die Umweltverschmutzung aus. Viele gehen verschmitzt damit um, spielen mit ihrer Hand im Abgasstrahl oder begutachten die Auspuffwolken, die sie produzieren. Man ist fast ein bisschen stolz auf die verursachte Verschmutzung. (Video)

Vielleicht hilft den Motorsportler:innen diese äußerliche Verfremdung sogar dabei, ihr eigenes schlechtes Gewissen zu unterdrücken. Wer nicht erkannt, nicht einmal mehr wirklich als Mensch wahrgenommen wird, muss sich für die begangenen Übeltaten weniger schämen. Ob die Fahrer:innen ein größeres Schuldbewusstsein für die Schändung der Umwelt empfinden würden, wenn sie dabei ihr eigenes Gesicht sehen müssten? Wenn alle sehen würden dass ein Mensch, eine bestimmte Person, dafür verantwortlich ist?

Gegen Schuldgefühle hilft auch, seine Untaten offen zu begehen. Von einer Person in voller Motocross-Ausrüstung erwartet man nichts Anderes, als dass sie Motorrad fährt. Sie erfüllt also bloß die Erwartungen. Wenn die Figur in voller Rennmontur plötzlich einen stinkenden Motor startet, kann niemand behaupten, davon völlig vor den Kopf gestoßen worden zu sein.

Dem umweltbewussten Zeitgeist zum Trotz

Wir Menschen können also nicht auf die Kraft der Evolution, unserer Instinkte oder Urtriebe hoffen, um uns vor uns selbst zu schützen. Benzinmotoren sind zu spannend und machen zu viel Freude, während die Langzeitfolgen der Umweltverschmutzung zu abstrakt scheinen. Es bleibt also nur die Hoffnung, dass wir die Umwelt durch die Anpassung unseres Verhaltens und die Aufklärung zukünftiger Generationen retten können.

Die Zeichen dafür stehen schlecht. Zwar unterrichten wir unsere Kinder über die Umwelt und das Klima und betonen, wie wichtig es ist, dass wir uns von fossilen Energieträgern lösen. Gleichzeitig werden junge Generationen aber weiterhin bewusst und unbewusst an die Benzinkultur herangeführt. Sie begeistern sich für den Motorsport, bewundern die Freiheit des Motorradfahrens und warten ungeduldig darauf, selbst fahren zu können.

Die eindrucksvollen Maschinen, die coolen Outfits, der Hauch des Rebellischen – vieles macht die Welt der Benzinmotoren für Kinder zutiefst attraktiv. Entgegen aller Vernunft erfüllt man ihnen den Wunsch. Abseits öffentlicher Straßen ermöglicht der Motorsport Kindern, die noch zu jung für einen Führerschein sind, das Fahren von Motorfahrzeugen. Motorradhersteller bauen Dirtbikes für Kinder ab 3 Jahren – mit echten Benzinmotoren! Erste Kinder werden von ihren motorsportbegeisterten Eltern eingeführt. Schulfreunde werden auf den Sport aufmerksam und neidisch, Clubs entstehen und bieten den einfachen Einstieg an. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf, der immer mehr Kinder in den Motorsport schleust.

Ein junges, blondes Mädchen in Motocross-Ausrüstung neben zwei Dirtbikes und einem orangen Benzinkanister
Eine junge Anhängerin der "Benzinkultur".

Einige Kinder und Jugendliche schienen einen anderen Weg eingeschlagen zu haben. Mit Bewegungen wie Fridays for Future haben junge Menschen den Willen gezeigt, den Teufelskreis zu durchbrechen und die Umwelt besser zu ehren und zu schützen als die älteren Generationen. Doch die Bewegung konnte nie eine Mehrheit der Jungen für sich gewinnen und scheint ihren Höhepunkt bereits überschritten zu haben.

Für Kinder, die in die Benzinkultur eingeführt wurden, gibt es dagegen meist kein Zurück mehr. Wer von Kindesbeinen an auf Motorräder gesetzt wurde, die Kraft und Freiheit gespürt hat, das Gefühl beim Drehen am Gasgriff, bleibt der Welt der Motoren ein Leben lang treu. Wer von klein auf einen Sport ausgeübt hat, bei welchem dicke, stinkende Abgaswolken ganz selbstverständlich dazugehören, wird diese nie als großes Problem wahrnehmen. Mit dem Geruch verbinden sie nicht die Gefahren des Klimawandels, sondern schöne Kindheitserinnerungen.

Eine Gruppe junger Motocross-Fahrer
Für in die Benzinkultur indoktrinierte Jugendliche sind die Abgase, die bei der Ausübung ihres Sports entstehen, nichts Bedenkliches. In ihrer Schutzausrüstung aus Plastik sind sie völlig von der Natur entfremdet, eine Antithese zu den Klimademonstrantinnen und -demonstranten ihrer Generation.

Die Menschheit löst sich also nicht von ihrer Benzinsucht, sondern trägt die Kultur über die Generationen weiter, solange dies noch möglich ist. Unbesonnen und verantwortungslos haben wir den Planeten, den künftige Generationen von uns erben werden, verschmutzt und vergiftet. Dennoch bringen wir ihnen unterschwellig weiterhin bei, dass Umweltkatastrophen ein weit entferntes Problem sind und es in Ordnung ist, ihre Freude am Benzinverbrennen auszuleben.

Die Büchse der Pandora ist offen. Gegen die tief in unserem Wesen verankerte Faszination für Benzinmotoren hat unser Verstand keine Chance. Um die Dringlichkeit der Probleme zu verdeutlichen sprechen viele Menschen davon, dass wir die Umwelt für unsere Kinder retten müssen. Doch unzählige dieser Kinder haben bereits entschieden. Sie wollen nicht dass wir ihnen den Spass, den wir selbst hatten, vorenthalten. Heute sind die jüngsten Generationen längst aktiv dabei, den Planeten und ihre eigene Zukunft selbst weiter zu verpesten.

Auf Film gebannte Umweltsünden

Schall und Rauch

Seit mich die rücksichtslose Umweltverschmutzung beschäftigt, habe ich Videoaufnahmen davon gesammelt. Neben der ergreifenden Betroffenheit, die Entwürdigung der Natur mit anzusehen, hat mich auch fasziniert, warum sich Menschen bei solch verfänglichen Taten überhaupt filmen. Ist der Stolz auf ihr Hobby größer als ihr Schamgefühl? Setzen sie ihren erbarmungslosen Umgang mit der Umwelt absichtlich in Szene, als Trotzreaktion auf die Anschuldigungen von "Ökos"? Oder sind sie schon so abgestumpft, dass sie die Verschmutzung gar nicht mehr wahrnehmen?

Meine Sammlung umfasst mittlerweile mehr als 1500 Gigabytes an Video- und Fotomaterial. Neben dem Abgas jeglicher Fahrzeuge, Motorgeräte und aller Disziplinen des Motorsports dokumentiert sie auch Baumfällungen und Waldrodungen, Ölpest und Plastikverschmutzung, ebenso wie Bilder, welche die Benzinkultur und die Entfremdung des Menschen von seiner Natur symbolisieren.

Das Archiv ist ein Beweismittel und eine Anklageschrift. Es soll auch in Zukunft ein Zeugnis davon ablegen, wie unbekümmert, verantwortungslos, widersinnig und achtlos wir Menschen unsere Umwelt verpestet und zerstört haben. Die Sammlung wird stetig um neues Material erweitert, sortiert und teilweise öffentlich zugänglich gemacht. Diese Videos sind nur eine kleine Kostprobe.

Weitere Videos werden fortlaufend in einer Datenbank dokumentiert und verlinkt. Ich sammle weiterhin Aufnahmen, die zeigen, wie erbarmungslos wir Menschen unsere eigene Umwelt schänden.

Falls du dich als umweltbewusst bezeichnen würdest und dich die menschengemachte Umweltzerstörung betrübt, eine Warnung: viele dieser Videos könnten schockierend oder verstörend auf dich wirken. Rennveranstaltungen, an welchen Hunderte Motorsportler, nur zu ihrem eigenen Spaß, die ganze Landschaft in einen giftigen Dunst hüllen. Menschen, die ihre Jetskis auftanken und die es nicht kümmert, dass sie dabei Benzin in den See verschütten. Kinder, die an sinnlose Luftverpestung gewöhnt werden und von früh auf lernen, selbst dabei mitzumachen. Gesunde, alte Bäume die mit Motorsägen gefällt werden, oder ganze Wälder, die restlos abgeholzt werden.

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Eigenschutz statt Umweltschutz

Der Mensch ist überaus kreativ und erfinderisch. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Vielzahl an Wegen, die er gefunden hat, seine Umwelt zu verschmutzen, vergiften und vernichten. Wir verpesten unsere Atemluft und Atmosphäre, vergiften die Gewässer und kontaminieren den Erdboden. Wir verschandeln die Natur mit Lärm, Gestank, Licht und radioaktiver Strahlung. Auf der Suche nach Rohstoffen durchbohren wir die Erde, holzen die Wälder ab und rotten Tierarten aus. Wir stellen Unmengen an künstlichen Materialien her welche die Natur, erst einmal als Abfall weggeworfen, über Jahrtausende verunstalten wird. Wir bringen das globale Klima langfristig in ein gefährliches Ungleichgewicht und bedrohen schlussendlich sogar unser eigenes Überleben.

Wir sind zwar aus der Natur hervorgegangen, scheinen heute aber in einem absurden Kontrast zu ihr zu stehen. Unsere natürliche Umwelt ist anmutig, warm, bunt, unberührt, nachhaltig und im Gleichgewicht. Wo immer der Mensch seine Spuren hinterlässt bleibt Schmutz, Gift und Gestank; eine kalte, öde, abstoßende und lebensfeindliche Umgebung, die sich kaum noch von unserer Anwesenheit erholen kann.

Doch selbst als wir langsam lernten, was wir anrichteten, haben wir unser Verhalten nicht geändert. Wir wissen heute wie hochgradig schädlich die Abgase von Benzinmotoren sind. Trotzdem setzen wir so viele von ihnen wie nie zuvor zum Vergnügen und aus Faulheit ein. Wir normalisieren Motoren und Abgase gegenüber unseren Kindern, sodass sich der Teufelskreis weiter dreht. Nicht einmal wenn Jugendliche in der Karthalle wegen der hohen Abgasbelastung über Schwindelgefühle klagen hinterfragen wir diese Freizeitaktivität. Höchstens kritisieren wir die mangelhafte Abluftanlage. Unsere Körper leiden unter all dem Gift, das wir in unsere Umwelt schleudern. Doch statt damit aufzuhören, entwickelten wir ausgeklügelte Schutzanzüge und -ausrüstungen. So brauchen wir nicht einmal uns selbst zuliebe auf die Umwelt Rücksicht zu nehmen. In unseren widernatürlichen Overalls und Atemschutzmasken können wir die Natur unbesorgt weiter verpesten, denn wir sind gut vor ihr geschützt.

Als zentraler Bereich dieser Homepage arbeite ich an einem Lexikon der Umweltverschmutzung. Irgendwann sollen dort nicht nur all die rücksichtslosen Wege und Zwecke (oder Sinnlosigkeiten) menschlicher Umweltverschmutzung aufgeführt und beschrieben werden, sondern auch die damit zusammenhängenden Themen: Die gesellschaftlichen Dynamiken, welche die Benzinkultur weiterhin propagieren. Die Rechtfertigungen und Trotzhandlungen der Umweltsünder. Die Allgegenwärtigkeit der Auswirkungen. Die Werkzeuge und Schutzmechanismen, die wir entwickelt haben, um die Folgen ignorieren und uns selbst schützen zu können.

Über den Autor

Dieser Abschnitt wird gerade überarbeitet.

Falls du bis hierhin gelesen hast, erst einmal vielen Dank! Es freut mich sehr, dass dich das Thema meiner Seite interessiert. Mein Name ist Daniel, ich bin ein Schweizer Mitte Dreißig und Autor dieser Seiten. Nach der Einführung in den bisherigen Abschnitten denkst du vermutlich, dass ich ein unerschütterlicher Umweltschützer bin, zutiefst bestürzt und empört über den menschlichen Umgang mit der Natur. Auf eine gewisse Art hättest du damit auch Recht. Allerdings ist es nur die halbe Wahrheit.

Tatsächlich wuchs ich als Junge mit einem ausgeprägten, tiefsitzenden Umweltbewusstsein auf. Warum, weiss ich nicht genau. Umweltschutz war zuhause kein großes Thema. Meine Eltern waren zwar keine Ökofreaks, gaben sich aber meistens Mühe, das Richtige zu tun. Ausschlaggebend für mein Interesse am Umweltschutz war wohl eher, dass das Thema in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren in den Medien allgegenwärtig war. Insbesondere sprach man viel von saurem Regen und dem Waldsterben.

Gerade auch in Kinderzeitschriften und -sendungen wurden regelmäßig Umweltthemen behandelt, es wurden schlimme Umweltschäden gezeigt und erklärt, wie sie verursacht wurden. Ich erinnere mich an Zeitschriftenartikel die Fotos vom abgeholzten Regenwald zeigten, heimatlos gewordene Tiere, aber auch die Holzfäller, wie sie mit ihren Motorsägen in Baumstämme schnitten. Die Autoren versuchen anschaulich zu erklären, wie viel Urwald jeden Tag abgeholzt wird, aber das Ausmaß überstieg mein kindliches Vorstellungsvermögen – und tut es auch heute noch. In der beliebten Vergleichsgröße waren es in den Neunzigern anscheinend etwa 50'000 Fußballfelder pro Tag.

Im Fernsehen sah ich Bilder von abgestorbenen Wäldern, näher bei uns zuhause, und mir wurde erklärt, dass die Bäume sterben weil die Autos Abgase in die Luft blasen, die dann als saurer Regen in den Boden sickern. Mit solchen Beiträgen sollten wir zu umweltbewussten Erwachsenen heranwachsen, welche die Natur besser schützen würden als die Generation unserer Eltern.

Bei mir haben diese Bilder sehr gut verfangen. Jedes Mal, wenn ich solche Bilder der Umweltzerstörung sah, bekam ich einen Kloß im Hals. Es war ein überwältigendes Wechselbad der Gefühle. Ich war unsagbar traurig, zu sehen, wie die schöne Natur verschmutzt und zerstört wurde. Ich war wütend auf die Menschen, die ihr völlig rücksichtslos so etwas antun konnten. Gleichzeitig verstand ich nicht, wie Erwachsene diese Dinge tun konnten, obwohl sie doch wissen mussten, dass wir ohne eine intakte Umwelt nicht überleben können. Ich verspürte aber auch eine fürchterliche Hoffnungslosigkeit, weil ich wusste, wie schnell die Zerstörung voranschritt und dass vieles, einmal zunichte gemacht, unwiderbringlich verloren war.

Ich erfüllte das Klischee eines Ökofreaks bald so weit, wie man das als Junge im Vorschulalter eben kann. Ich schwor mir selbst, in meinem ganzen Leben nie einen Motor zu verwenden. Meine Überzeugungskraft reichte später sogar aus, einige gleichaltrige Kinder in der Nachbarschaft denselben Eid abgeben zu lassen (alle haben ihn inzwischen gebrochen). Ich war aber frustriert, dass ich nicht noch mehr tun konnte. Ein kleiner Junge konnte nichts gegen die vielen, erwachsenen Umweltverschmutzer der Welt ausrichten. Also habe ich nach Dingen gesucht, die mir wenigstens das Gefühl geben konnten, als würde ich etwas bewirken.

Der Autor in einer Dainese-Lederkombi und Shoei-HelmSehr deutlich erinnere ich mich an meine "Abgaszettel". Die Auspuffe von Autos und Motorrädern waren, neben dem einen oder anderen gefällten Baum, die einzige Art der Umweltverschmutzung mit welcher ich in meinem kleinen Vorort-Alltag wirklich konfrontiert wurde. Ich fing an, bei vorbeifahrenden Autos genau hinzuschauen, ob sichtbare Wolken aus ihrem Auspuff kamen. Für mich damals ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ein Fahrzeug die Umwelt stärker verschmutzt als andere. Auf kleinen Zetteln kritzelte ich hin, welche Autos wenig, viel oder sehr viel Abgas produzierten. Was ich mir davon versprach, weiss ich nicht mehr. Vermutlich gab es mir aber das Gefühl, Beweise gegen Umweltsünder zu sammeln.

Leider schien niemand sonst meine akute Sorge um die Umwelt zu teilen. Alle fuhren Auto, niemand schien die Abgaswolken groß zu beachten. Das verstärkte meine Gefühle von Hilflosigkeit umso mehr. Das Thema war für mich sehr emotional und beschäftigte mich tagein, tagaus. Wann immer ich irgendwo Abgase sah konnte ich meinen Blick gar nicht mehr abwenden. Ich mußte es gebannt beobachten, bis es vorbei oder der Verursacher nicht mehr in Sichtweite war. Vielleicht dachte mein Unterbewusstsein dass ich die Verschmutzung, wenn ich sie schon nicht verhindern konnte, doch mindestens mitansehen musste, damit wenigstens ein Mensch bezeugen kann, was passiert war. Wenn ich ein Moped knattern hörte versuchte ich, es zu finden, um vielleicht die Abgase beobachten zu können und den Fahrer in meinen Gedanken zu verurteilen. Hörte ich in der Ferne das Geheul von Motorsägen suchte ich die Baumkronen im Dorf und die Wälder am Horizont ab, um zu sehen, ob irgendwo ein Baum zu Boden fallen würde.

Es war wieder wie ein Sammeln von Beweisen, fühlte sich aber auch ein wenig tröstlich an. Ich konnte zwar nicht verhindern dass ein Stück Luft vergiftet, oder ein Baum gefällt und für immer verloren sein würde. Aber immerhin war ich in diesem Moment anwesend, habe es miterlebt, die Trauer, Wut und Hilflosigkeit gespürt. So schien die Zerstörung ein kleines bisschen weniger sinnlos. Ich würde mich erinnern und anderen davon berichten können. Autofahrer konnten nicht unbehelligt die Luft verschmutzen, denn jemand hatte sie dabei ertappt. Der Baum ging nicht sang- und klanglos zu Boden, ohne dass es jemanden gekümmert hätte. Ich erwies ihm eine letzte Würde indem ich in seinen letzten Momenten mit ihm mitgefühlt hatte und ihm noch lange nachtrauerte.

Zu dieser Zeit begann sich aber erstmals auch die andere Seite meines komplexen Verhältnisses zur Umweltverschmutzung zu zeigen. Ich entdeckte damals gewisse neue, körperliche Empfindungen und begann sie auszuprobieren. Gedanklich verknüpfte ich diese sofort mit meiner Besessenheit für Abgase und Baumfällungen. Ich habe mir viele Jahre den Kopf darüber zerbrochen, wie diese Verbindung zustande kommen konnte. Vermutlich ist es aber ganz einfach: Abgase beschäftigten mich fast ständig, also gingen sie mir wohl auch gerade durch den Kopf, als ich diese neuen Erfahrungen machte. Konditionierung übernahm den Rest. Ich dachte, dass die schönen Gefühle mit meinen Gedanken an Umweltverschmutzung zu tun hatten, und weil es sich dann wirklich gut anfühlte, dachte ich auch beim nächsten Mal wieder an Umweltverschmutzung.

Diese neuen Gefühle änderten nichts an meiner umweltbewussten Grundeinstellung, aber sie kratzten an meinem Selbstverständnis. Wie konnte es sein, dass etwas so verwerfliches, etwas, das ich abgrundtief hasste und verabscheute, mir gleichzeitig solch schöne Gefühle bescherte? Natürlich konnte ich die Gefühle selbst auch noch überhaupt nicht verstehen und einordnen. Ich stellte aber fest, dass ich ihretwegen nun noch weitere Emotionen verspürte, wenn ich Momente der Umweltverschmutzung miterlebte. Neben meiner üblichen Traurigkeit, Empörung und Machtlosigkeit fühlte ich nun auch Verlockung, Reiz und Begierde. Es war unglaublich verwirrend, solch widersprüchliche Gefühle über ein und dieselbe Sache zu verspüren.

Aus diesem inneren Widerspruch entstand auch die Theorie, dass es sich um eine Art psychologischen Abwehrmechanismus gehandelt haben könnte. Das rücksichtslose Verhalten der Menschen machte mich unheimlich traurig, aber ich konnte es nicht verhindern. Vielleicht war meine paradoxe Reaktion also ein Weg, ein Stück Kontrolle über meine Emotionen zurückzuerlangen. Ich war frustriert, dass ich nichts gegen die menschengemachte Umweltverschmutzung tun konnte, aber wenn ich daran auch Lust und Gefallen fand, war es, als würden die Dinge trotzdem ein wenig nach meinem Wunsch geschehen. Ich war nicht dazu verdammt, mir hilflos die Umweltzerstörung mit ansehen zu müssen, da ich es irgendwie ja auch passieren sehen wollte.

Die Dinge, die ich beobachtete, schmerzten mich immer noch sehr. Ich wünschte mir immer noch, die Umwelt könnte geschützt werden, aber ich hatte auch am Nervenkitzel Gefallen gefunden den ich verspürte, wenn ich solch herzzerreißende Dinge sah. Für den "Kick" wollte ich möglichst verheerende Momente der Umweltverschmutzung sehen. Ich interessierte mich bald fast nur noch für die rußig-schwarzen Abgaswolken von Dieselmotoren und, in allererster Linie, die öligen Abgase von Zweitaktmotoren wie Rollern und Enduros. Ich hatte gelernt, dass der Schein in diesem Fall für einmal nicht trügt: die beißend riechenden, giftig-bläulichen, dicken Auspuffwolken eines einzelnen Zweitakters waren tatsächlich schädlicher als die von Hunderten Autos zusammen! Der Gedanke daran reizte mich. Weil meine Aufregung und der Kitzel größer waren, je schlimmer die Verschmutzung schien, fing ich an, mich hauptsächlich nach Zweitaktern umzusehen.

Wenn ich wieder einmal die Baumwipfel nach dem Ursprung des Lärms von Motorsägen absuchte, ertappte ich mich dabei, dass ich regelrecht hoffte, einen Baum stürzen zu sehen. Natürlich hatte ich schon immer gehofft dass ich, falls tatsächlich ein Baum gefällt wurde, den Moment nicht verpassen würde. Jetzt aber erwischte ich mich dabei dass ich geradezu enttäuscht war, wenn sich herausstellte, dass überhaupt keine Bäume umgesägt wurden. Wenn ich an der Kreuzung einen Roller sah und gebannt auf den Auspuff starrte, hoffte ich geradezu, dass er eine besonders dicke, giftblaue Wolke ausstossen würde. Ich hoffte sogar auf das unnötige Aufheulen lassen des Motors während des Wartens an der Ampel, damit ich noch mehr Abgase beobachten und verteufeln, den Fahrer oder die Fahrerin innerlich beschimpfen könnte. Ich wollte mir einen besonders schlimmen Anblick einprägen können, um mich später, zuhause, bei der Erinnerung daran zu vergnügen.

Der Autor in einem KartrennanzugBei Beobachtungen wie dem unnützen Aufdrehen des Motors an der roten Ampel lernte ich, dass ich ein Ereignis umso aufrüttelnder und anregender fand, je sinnloser mir die verursachte Verschmutzung vorkam. Der Reiz entstand direkt aus meiner Empörung, und die war umso größer wenn die Umweltverschmutzung eigentlich unnötig war. Ein qualmender Auspuff ist weniger empörend, und somit auch weniger packend, wenn er zu einem Bus gehört der Passagiere von A nach B bringt. Viel tiefer getroffen hat es mich wenn ich beobachtete, wie zwei Teenager auf ihren Mofas vor der Schule unendlich lange tratschten und dabei ihre Motoren einfach laufen ließen. Genauso war es weniger ergreifend zu beobachten, wie Holzfäller einen alten, offensichtlich kranken Baum fällten, als wenn es ein kerngesund und majestätisch aussehendes Exemplar war, das sie umsägten. Am Besten, wenn der Baum nicht für ein neues Gebäude gefällt wurde, sondern scheinbar weg musste weil ein Nachbar sich mehr Aussicht aus dem Fenster wünschte.

Immer genau das, was meinen inneren Umweltschützer besonders entrüstete und traurig machte, machte diese neuen Gefühle umso intensiver und aufregender. Also suchte ich nach immer noch empörenderen Situationen der Umweltverschmutzung, mit noch verheerenderen Auswirkungen, und noch unverantwortlicher handelnden Umweltsündern. Diese Dynamik erklärt mein ambivalentes Verhältnis zu Umweltschutz und Umweltverschmutzung bis heute. Sie erklärt auch meine besondere Faszination für Motorsport wie Motocross oder Karting. Nirgendwo werden schmutzigere Motoren zu unsinnigeren Zwecken eingesetzt. Mit Zweitaktmotor verursacht jede:r Teilnehmende so viele Schadstoffe wie gut 1000 Verbrennerautos, die Verschmutzung wird komplett ohne Sinn und Nutzen verursacht, häufig mitten in der Natur, niemand verliert einen Gedanken an die Umwelt, und niemand schämt sich für die Verschwendung, trägt sie in voller Rennmontur eher noch stolz zur Schau. Es ist der ultimative Albtraum jedes Umweltfreundes, wie der einen Seite meiner Persönlichkeit, und somit der absolute Höhepunkt für meine andere, "dunklere" Seite.

Als Jugendlicher hatte ich große Angst davor, dass jemand von meinen sonderbaren Gefühlen und Gedanken zu Abgasen erfahren könnte. Deshalb habe ich lange Zeit komplettes, fast schon wieder verdächtig übertriebenes Desinteresse an allem vorgespielt, was entfernt mit Motoren oder Umweltschutz zu tun hatte. So war ich ironischerweise auch einer der wenigen Schüler, die nie ein Mofa oder einen Roller besaßen. Ich kann mir gar nicht ausmalen wie überwältigend es für mich gewesen wäre, wenn ich als Teenager einen eigenen Zweitakter besessen und hätte fahren können. Meine starken, umweltbewussten Gewissensbisse dagegen, den Motor auch nur eine Sekunde laufen zu lassen, wären auf eine überbordende Verlockung geprallt. Trotz meiner Skrupel war ich immer neugierig, wie es sich wohl anfühlt einen Motor zu bedienen. Ich fragte mich, ob ich danach besser verstehen könnte wie Menschen – darunter einige meiner Freunde – so eine unverzeihliche Sache tun konnten ohne sich dabei um die Umwelt zu scheren.

Ganz passiv verblieb ich aber nicht in meiner heimlichen Leidenschaft. Ich verbrachte mehr Zeit mit Freunden die Roller fuhren, um ab und zu die Zweitakt-Abgase riechen zu können. Häufig machte ich einen Umweg, hinten am Gebäude einer örtlichen Karthalle vorbei, wo eine Abluftanlage die abgaslastige Luft aus dem Innern in die Umgebung blies. Von einem normalen Besuch der Kartbahn hielt mich immer noch meine Panik ab. Was, wenn jemand herausfindet, dass mich nicht nur die Rennfahr-Action begeistert, sondern auch die Abgase – und auf welche Weise? Mit etwa 12 Jahren kaufte ich mir einen gebrauchten Kartoverall und konnte emotional kaum verarbeiten, dass ich darin aussah wie einer dieser bösen Umweltverschmutzer.

Zu ungefähr der selben Zeit gab ich dann auch der letzten Versuchung nach und versuchte erstmals, selbst einen Benzinmotor zu starten. An einem Wochenende, an dem ich allein zuhause war, schnappte ich mir den Zweitakt-Rasentrimmer meines Vaters und wollte ihn ausprobieren. Der Trimmer war schon immer in unserem Haus, und als kleiner Junge hasste ich ihn für die ungeheuerlichen Abgaswolken, die er erzeugte. Aber es dauerte viele Jahre bis ich soweit war, ihn einmal selbst starten zu wollen. Meine Gewissensbisse waren immer viel stärker als meine Neugier, und außerdem hatte ich es mir ja auch selbst geschworen. Auch wenn ich es nur aus Neugier getan hätte, um zu sehen wie es sich anfühlt und vielleicht die Umweltverschmutzer besser zu verstehen, wären dabei Abgase entstanden die genauso echt gewesen und die Umwelt genauso zerstört hätten. Es kam also auf keinen Fall in Frage. Ich glaube nicht dass ich je ernsthaft darüber nachgedacht hatte, bevor ich vielleicht 12 oder 13 Jahre alt war und das Verlangen zu stark wurde.

Vor Nervosität zitternd schaffte ich es nach vielen Versuchen, den Motor mit der Anreißleine zu starten. Ich erschrak ein bisschen vor dem plötzlichen Lärm und vor dem Gedanken, dass ich meinen kindlichen Eid jetzt gebrochen hatte. Ich beobachtete, wie die blauen Wolken aus dem Auspuff strömten und vergegenwärtigte mir, dass ich jetzt tatsächlich selbst die Umwelt verschmutzte, mit selbstverantworteten, echten, schädlichen, ganz und gar zwecklosen Abgasen. Ich ließ den Trimmer eine Minute lang vor sich hin knattern, angeregt vom Gedanken dass ich die Verschmutzung jederzeit stoppen könnte, aber entschied, es noch nicht zu tun. Dann stellte ich den Motor aus und hörte mein Herz klopfen. Die letzte Hemmschwelle war gefallen.

Meine ganze Kindheit und halbe Jugend über hatte ich angenommen, dass ich bestimmt der einzige Mensch auf der Welt war, der diese seltsamen Gedanken, Verlangen und Vorlieben hatte. Mit dem Aufkommen des Internets durfte ich jedoch mit Erstaunen feststellen, dass das alles andere als wahr ist. Auf der Suche nach Abgasbildern im Netz bin ich bald auf Gleichgesinnte gestoßen. Seither durfte ich mit vielen von ihnen, aus der ganzen Welt, persönliche Gespräche und interessante Diskussionen führen. Auch wenn sich selbst unter uns niemand so recht unsere Neigungen erklären kann, ist es spannend, darüber zu spekulieren und Erfahrungen auszutauschen. Diese Website ist ein Weg für mich, diese Gedanken und Diskussionen fortzuführen. Vielleicht konnte dieser Text sogar das Rätsel dieser Seiten für uneingeweihte Besucher:innen ein wenig lüften – soweit man diese Gedanken und Gefühle als Außenstehende oder Außenstehender überhaupt nachvollziehen kann. Ich habe es zumindest versucht!

Am meisten hoffe ich aber, dass ich weiterhin regelmäßig von "Neulingen" hören darf. Seit ich meine erste Seite zum Thema eröffnet habe, haben sich regelmäßig Menschen bei mir gemeldet, die einmal in der selben Situation waren wie ich damals, verwirrt und vielleicht sogar beschämt über diese Gefühle, und überzeugt, dass sie niemand sonst verstehen würde. Eines meiner Hauptanliegen beim Betreiben dieser Seite ist, diese Menschen wissen zu lassen, dass sie damit nicht alleine sind, dass es da draußen viele Gleichgesinnte gibt welche diese Gefühle teilen und verstehen, und mit denen man sich sogar austauschen kann, wenn man will. Fall du zu diesen Menschen gehörst: ich würde mich sehr freuen, deine Geschichte zu hören!

Wo Motoren und Abgase unter Artenschutz stehen

Willkommen im Benzinreservat

Freude an unnötiger Luftverpestung zu haben ist weder politisch korrekt noch gesellschaftlich akzeptiert, deshalb behält man eine solche Vorliebe meistens für sich. Hier, im Benzinreservat, darf man sich der Begierde aber nach Belieben hingeben. Ich hoffe, dass ich für alle Besucher:innen etwas Interessantes bieten kann, egal, wie sie zum Thema stehen.

Wer neu hier ist, sich aber in einigen Punkten wiedererkennt, könnte sich für meine weiterführenden Gedanken und Theorien zu den einzelnen Aspekten oder die Erzählung meiner Geschichte interessieren. Diese Texte könnten auch außenstehenden Personen, die jetzt neugierig oder verwirrt sind, einen tieferen Einblick geben. Für alle Gleichgesinnten gibt es in den einzelnen Rubriken natürlich auch eine wachsende Anzahl anregender Bilder und Videos aus der großen, weiten Welt der sportlichen Umweltverschmutzung.

Trag auch du zur sinnlosen Umweltverschmutzung bei

Rausgehen und Gas geben!

Falls du einige dieser Themen ansprechend fandest, möchtest du vermutlich mehr, als nur darüber zu lesen. Sich Bilder und Videos von zwecklos und achtlos verursachter Luftverschmutzung anzusehen ist nett, aber wie das Handbuch jedes Motorgeräts eindringlich ermahnt: Abgase gehören nach draußen an die frische Luft!

In den folgenden Bereichen findest du vielleicht ein paar Ideen und Anregungen. Tausche dich mit Gleichgesinnten aus, besuche Orte und Veranstaltungen der unbekümmerten Umweltverschmutzung, oder lasse selbst einen Motor aufheulen. Es hat Vorschläge für alle – niemand soll das Gefühl haben, selbst keinen Spaß mit Abgas haben zu können, weil er oder sie noch zu jung dafür ist, zu städtisch oder abgelegen wohnt, oder zu knapp bei Kasse ist. Es gibt immer einen Weg!

Bis zum letzten Tropfen

Zu jedem beliebigen Zeitpunkt, auch jetzt in dieser Sekunde, laufen auf unserem Planeten über 100 Millionen Verbrennungsmotoren. Hunderte Millionen Kolben bewegen sich in ihren Zylindern, machen Lärm, entzünden Treibstoff, erzeugen Hitze. Ob er sinnvolle Arbeit verrichtet, nur zum Spaß eingesetzt wird oder bloß unnütz leerläuft, weil jemand zu faul war, ihn auszuschalten: jeder einzelne dieser Motoren verbrennt gerade Benzin, und verwandelt unaufhaltsam frische Luft in stinkende, giftige Abgase. Mit jeder kleinen Wolke, die er aus dem Auspuff stößt, verdirbt und verpestet er ein kleines Stück Natur unwiderbringlich.

Wie viel Benzin auf der Erde jede Sekunde verbrannt wird, wie viele Schadstoffe kontinuierlich in unsere Atmosphäre geblasen werden, ist buchstäblich kaum fassbar. Der geschätzte Verbrauch von 104 Millionen Barrel am Tag bedeutet, dass wir ungefähr 190'000 Liter pro Sekunde, 11 Millionen Liter pro Minute, 680 Millionen Liter pro Stunde verbrennen. Das sind 2.7 Liter pro Tag für jeden lebenden Menschen ab 15 Jahren. Das Volumen eines großen, privaten Schwimmbeckens von 10×5 Metern würde in weniger als einer halben Sekunde verbrannt. Man kann sich bildlich nicht vorstellen, welch überwältigende Menge an giftigen, krebserregenden Abgasen durch das Verbrennen eines ganzen Swimming Pools voller Benzin in unsere Atemluft gepumpt würde. Und doch geschieht es, ohne Unterbruch, erbarmungslos, zweimal pro Sekunde. Ich finde es geradezu faszinierend, dass wir auf der Erde überhaupt noch saubere Luft zum Atmen haben.

Obwohl die Zuwachsrate abgenommen hat, nimmt unser Erdölverbrauch immer noch Jahr für Jahr zu. Trotz Naturschutzbewegungen und einer umweltbewussteren Jugend, sowie Versprechungen aus Industrie und Politik, sieht es nicht aus als würden wir Menschen aufhören, bevor der letzte Tropfen Benzin verbrannt ist – oder es nicht mehr lukrativ ist, den Rest zu fördern.

Die folgende Live-Anzeige schätzt, wie viele Liter Erdöl die Menschheit seit dessen Entdeckung bereits verbrannt hat. Weitere Veranschaulichungen findest du auf der Seite der Erdöl-Uhr.

 

geschätzte Anzahl Liter Erdöl, welche der Mensch bis heute verbrannt hat