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Bienen finden wegen Abgas Blumen nicht mehr

In von Benzinmotoren verschmutzter Luft können Bienen den Blütenduft nicht mehr wahrnehmen, und bestäuben so weniger Blüten.

Durch die Suche nach Nektar und Pollen in Blüten sichern Bienen nicht nur die Ernährung ihres Volkes. Durch ihre Blütenbesuche übernehmen sie auch deren Bestäubung und ermöglichen somit die Vermehrung der Pflanzen. Es ist das klassische Beispiel einer Symbiose, beide Seiten profitieren, sind eigentlich sogar voneinander abhängig. Deshalb geben Blumen Signale, um sich bei Bienen bemerkbar zu machen.

Auf der Suche nach nektarreichen Blüten spielt deren Duft für Bienen eine grundlegende Rolle. Zwar finden sie die Blumen aus der Distanz erst durch ihre Form und Farbe. Je näher sie den Blüten aber kommen, desto größer ist die Rolle des Geruchssinns. Über ihre Antennen nehmen Bienen den Geruch der Blüten wahr und können so ihren Nektargehalt abschätzen, um zu entscheiden, bei welchen sich ein Besuch lohnt.

In Feldversuchen wurde bereits nachgewiesen, dass Luftverschmutzung durch Motorenabgase die Bestäubungstätigkeit von Bienen massiv reduziert. So stellte eine US-amerikanische Feldstudie 2022 fest, dass die Anzahl Blütenbesuche in von Dieselabgasen belasteter Luft um rund 90% zurückging. Dies, obwohl die gemessene Schadstoffbelastung noch deutlich unter den von der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA als ungefährlich eingestuften Grenzwerten lag.

Ein Motorrad bläst eine Abgaswolke in Blumen
Der Auspuff eines Motorrades bläst eine Wolke aus blauen Zweitaktabgasen in ein Tulpenbeet.

Für die Veranschaulichung des Artikels angefertigte Aufnahme, © Abgase.org

Durch die Abgase wird einerseits die Größe der Duftwolken verringert, der Blütenduft wird überlagert und verdeckt. Es wurde andererseits aber auch vermutet, dass durch die Abgase entstehendes bodennahes Ozon mit den Geruchspartikeln reagiert und so den Duft selbst verändert. Diesen Herbst hat eine Studie mehrerer britischer Universitäten diese Reaktionen im Labor nachvollzogen. Besonders an den Rändern der Blütenduftwolken, wo die Geruchspartikel am ehesten mit dem Ozon reagieren können, verändern die Abgase von Verbrennungsmotoren so die Geruchssignale massiv und verhindern, dass Bienen die nektar- und pollenreichen Blüten finden und besuchen.

Zwar wurden die Experimente mit Dieselabgasen durchgeführt, jedoch entsteht das bodennahe Ozon, welches die Reaktionen auslöst, nicht nur durch Dieselmotoren. Ozon wird nicht direkt aus dem Auspuff ausgestoßen, es ist nicht Bestandteil der Abgase. Es entsteht durch die Einwirkung von Sonnenlicht auf in den Abgasen enthaltene Stickstoffoxide (NOx) und flüchtige organische Verbindungen (VOCs, volatile organic compounds). Dieselmotoren sind für ihren besonders hohen Stickstoffoxid-Ausstoß bekannt.

Besonders schlecht schneiden aber auch Zweitaktmotoren (siehe Bild und Video) ab. Durch die systembedingt hohen Spülverluste werden 20–30% des Treibstoffs unverbrannt wieder durch den Auspuff ausgestoßen. Zweitaktabgase enthalten daher große Mengen an unverbrannten Kohlenwasserstoffen, also flüchtigen organischen Verbindungen, und tragen so ebenfalls stark zur Entstehung von bodennahem Ozon bei.

Als ironisches Sahnehäubchen: im Rahmen der Diskussion der britischen Studie betont einer der involvierten Wissenschaftler die Gefahr welche diese Effekte nicht nur auf unsere Nahrungssicherheit haben, sondern auch auf den Anbau von Pflanzen für die Herstellung von Biokraftstoffen. Die Ozon verursachenden Stickstoffoxide werden jedoch genauso bei der Verbrennung von alternativen Treibstoffen wie Biodiesel ausgestoßen!

Quellen


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